Rietberg. Er war damals als Vorzeigeprojekt seiner Zeit deutlich voraus: der Rietberger Klimapark. Schon zehn Jahre bevor unter dem Motto „Fridays for Future“ die Schüler auf die Straße gehen, ist auf einem Teil des Landesgartenschaugeländes der Klimapark entstanden. Die Grundidee: Zukunftsfähige und klimafreundliche Technologien zu zeigen und verständlich zu erklären. Das hat funktioniert, ist inzwischen aber in vielerlei Hinsicht überholt. Deshalb arbeitet die Stadt Rietberg aktuell an einem Konzept für eine Nachnutzung.
Nach intensiven Gesprächen mit den Projektpartnern des Parks, das sind verschiedene Firmen und Institutionen, ist die Stadtverwaltung zu dem Entschluss gekommen, den Klimapark am Gallenweg in seiner jetzigen Form mittelfristig aufzugeben. „Das geschieht im Schulterschluss mit den Projektpartnern. Für sie hat die Pflege und der Betrieb der Exponate teilweise einen hohen Aufwand bedeutet, den sie in dieser Form nicht mehr leisten können und wollen“, erläutert Bürgermeister Andreas Sunder. An etlichen Stationen ist im Park zu sehen, wie zum Beispiel eine Erdwärmebohrung erfolgt, wie eine Biogasanlage funktioniert oder wie man Solarstrom erzeugen und speichern kann.
Eine mögliche Perspektive für das Gelände wäre Wohnbebauung. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik, denn bevor Wohnraum entstehen kann, sind Planungen erforderlich. Die Grundstücke befinden sich zudem nicht im Besitz der Stadt Rietberg. „Selbstverständlich liegt es an den Eigentümern, was wir hier künftig entwickeln können. Auch da sind und bleiben wir im Gespräch“, betont der Bürgermeister. Von heute auf morgen wird eine solche Weiterentwicklung ohnehin nicht vonstattengehen, es wird noch einige Jahre dauern. Bestehende Technologien und Gebäude sollen soweit wie möglich bei einer Nachnutzung des Klimaparks erhalten bleiben. Das Sonnenhaus, das aktuell von der Verbraucherzentrale genutzt wird, könnte etwa für Wohnzwecke umgebaut werden. Für diesen Fall hat auch die Verbraucherzentrale bereits signalisiert, dass sie sich den Umzug an einen neuen, stadtnahen Standort vorstellen könne.
Die Überlegungen, den Klimapark in seiner jetzigen Form aufzugeben, ändern nichts daran, dass Rietberg als „Masterplan-Kommune 100 Prozent Klimaschutz“ weiterhin den Klimaschutz vorantreibt. „Mit unserer Klimaschutzmanagerin Svenja Schröder und ihren Vorgängerinnen haben wir in den vergangenen Jahren bereits etliche Projekte auf den Weg gebracht und tun das auch weiterhin, zum Beispiel mit einem Konzept für Klimaanpassungsmaßnahmen“, sagt Andreas Sunder. Andere Projekte wie die Initiative „Stark im Regen“ sind inzwischen in vielen anderen Städten und Gemeinden gefragt. Sie beabsichtigen, das Konzept zum besseren Umgang mit Starkregenereignissen zu kopieren.
Dass die Zeit des Klimaparks demnächst abläuft, ist für Bürgermeister Andreas Sunder ein Zeichen von Weiterentwicklung: „Der Park war ein tolles und vielfach beachtetes Projekt. Dort ist von meinem Vorgänger André Kuper Pionierarbeit für den Klimaschutz vor Ort geleistet worden. Jetzt hat sich das Angebot überholt, da ist es für mich selbstverständlich, noch einmal ganz neu zu denken.“ Als Aufsichtsratsvorsitzender der Gartenschaupark GmbH hatte Andreas Sunder den Aufsichtsrat in der jüngsten Sitzung bereits über die Schließungspläne informiert. Schon geplante Veranstaltungen im Klimapark – wie das Drachenfest im Oktober – finden übrigens wie gehabt statt.
Quelle: Stadt Rietberg
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