8. November 2022 / Aus aller Welt

Corona-Fälle in China: Höchster Stand seit halbem Jahr

Peking verfolgt weiter eine strenge Null-Covid-Strategie, die Zahl der Corona-Neufinktionen steigt dennoch deutlich an. Auch in Deutschland werden wieder mehr Fälle registriert.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen nimmt in China derzeit täglich zu.
Veröffentlicht am 8. November 2022 um 07:29 Uhr von dpa

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Corona-Virus ist in China auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr gestiegen. Wie die nationale Gesundheitskommission am Dienstag in Peking mitteilte, wurden mehr als 7400 Fälle gemeldet. Das ist der höchste Wert seit dem zweimonatigen Lockdown der ostchinesischen Hafenstadt Shanghai im März und April.

Während der Rest der Welt versucht, mit dem Virus zu leben, verfolgt China eine strenge Null-Covid-Strategie mit Ausgangssperren, alltäglichen Massentests, strenger Kontrolle, Kontaktverfolgung und Zwangsquarantäne. Trotzdem nimmt die Zahl der Neuinfektionen täglich zu, während sich leicht ansteckende Omikron-Varianten schnell verbreiten. Die Zahl hat sich in zwei Wochen verdreifacht.

Nach ausländischen Schätzungen gelten Lockdowns für zig Millionen Menschen, die für ein Zehntel der Wirtschaftsleistung verantwortlich sind. Hoffnungen auf eine Lockerung der Null-Toleranz-Politik haben die Gesundheitsbehörden zuletzt am Wochenende wieder enttäuscht. Es wurde lediglich in Aussicht gestellt, die strengen Maßnahmen anpassen zu wollen, um Auswirkungen, Kosten und Dauer zu verringern.

Nachbarschaften werden überraschend abgeriegelt

Es wird auch nicht mehr offen von Lockdowns gesprochen, sondern von «vorübergehender Kontrolle» oder «Stilllegung». Nachbarschaften werden nach und nach abgeriegelt, so dass keine großen Ankündigungen mehr gemacht werden, was viele Bewohner dann überrascht.

Der Unmut in der Bevölkerung wächst. Einwohner von Millionenstädten müssen an Eingängen zu Supermärkten, Wohnanlagen oder Restaurants einen negativen PCR-Test auf der Corona-App nachweisen. Er darf nicht älter als 48 oder 72 Stunden sein. Auch müssen sie sich mit dem Handy einscannen, damit ihre Bewegungen nachverfolgt werden können. Wer als mögliche Kontaktperson identifiziert wird, muss sich isolieren.

Bei den ohnehin nur wenigen erlaubten Einreisen aus dem Ausland sind sieben bis zehn Tage Quarantäne in einem Hotelzimmer vorgeschrieben. Manche lokale Behörden ordnen noch zusätzliche Beschränkungen an. Bei Reisen im Inland werden Nachweise verlangt, dass man nicht aus «Hoch-Risiko-Gebieten» kommt.

Wenig natürliche Immunität in China

Da China nie flächendeckende Infektionen mit Covid-19 hatte, gibt es in der Milliardenbevölkerung wenig natürliche Immunität. Bei den Impfkampagnen wurden ältere oder chronisch kranke Menschen häufig aus Angst vor Nebenwirkungen ausgenommen, so dass diese Gruppe besonders gefährdet ist. Auch hat China keine fortschrittlichen ausländischen Impfstoffe wie mRNA-Vakzine zugelassen, sondern nur seine eigenen herkömmlichen Produkte zum Einsatz gebracht.

Unverständnis herrscht unter ausländischen Experten auch darüber, dass die Impf- oder Boosterkampagne aus ihrer Sicht nicht verstärkt vorangetrieben wird. Bundeskanzler Olaf Scholz erhielt bei seinem Besuch am Freitag in Peking die Zusage, dass der mRNA-Impfstoff von Biontech zumindest für Ausländer zugelassen werden könnte. Gespräche laufen.

61.063 Corona-Neuinfektionen in Deutschland

Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstagmorgen mit 282,9 an. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 5.00 Uhr wiedergeben. Am Vortag hatte der Wert der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 260,2 gelegen (Vorwoche: 351,7; Vormonat: 635,7). Allerdings liefern diese Angaben nur ein sehr unvollständiges Bild der Infektionszahlen. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt 61.063 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 48.556) und 250 Todesfälle (Vorwoche: 150) innerhalb eines Tages. Vergleiche der Daten sind auch hier wegen des Testverhaltens, Nachmeldungen oder Übermittlungsproblemen nur eingeschränkt möglich. Generell schwankt die Zahl der registrierten Neuinfektionen und Todesfälle deutlich von Wochentag zu Wochentag, da insbesondere am Wochenende viele Bundesländer nicht ans RKI übermitteln und ihre Fälle im Wochenverlauf nachmelden.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 35 884 834 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.


Bildnachweis: © Ng Han Guan/AP/dpa
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