1. Dezember 2024 / Aus aller Welt

Demonstration für Nikolausbrauch «Klaasohm» auf Borkum

Eine Tradition auf der Nordseeinsel Borkum sorgt bundesweit für Empörung und spaltet die Gemüter. Gehört Gewalt gegen Frauen zu dem Fest dazu? Nun regt sich auf der Insel Protest.

Bis zu 200 Frauen haben für den Erhalt des Brauchs demonstriert. (Archivfoto)
Veröffentlicht am 1. Dezember 2024 um 16:00 Uhr von dpa

Rund 150 bis 200 Frauen haben für den Erhalt des umstrittenen Nikolausbrauchs «Klaasohm» auf der Nordseeinsel Borkum demonstriert. «Es blieb alles friedlich», sagte ein Sprecher der Polizei. Die Frauen sollen durch die Straßen der Gemeinde gelaufen sein und durch Kuhhörner geblasen haben. «Das war ein ganz spontaner Protest», sagte der Polizeisprecher. Die Beamten auf der Insel hätten vorab nichts von der Demonstration gewusst, die Frauen dann aber begleitet.

Ein Bericht des ARD-Magazins «Panorama» über die Tradition hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. In dem Beitrag berichten Borkumerinnen und Borkumer anonym von aggressiven Übergriffen. Ein Team filmte im vergangenen Jahr, wie Frauen bei dem Fest auf der Straße von «Fängern» festgehalten werden und ihnen die sogenannten Klaasohms mit einem Kuhhorn auf den Hintern schlugen.

Veranstalter distanzieren sich von Gewalt

Der Brauch wird seit Generationen jedes Jahr am Abend zum 6. Dezember gefeiert. Nach Angaben des Regionalverbandes Ostfriesische Landschaft verkleiden sich dabei junge, unverheiratete Männer mit Masken, Schafsfellen und Vogelfedern als sogenannte Klaasohms. «Junge Frauen, die sich in dieser Nacht aus dem Haus wagen, werden gefangen und mit einem Kuhhorn verhauen.» 

Nach heftiger Kritik kündigten die Veranstalter an, den «Brauch des Schlagens» vollständig abzuschaffen. «Wir als Gemeinschaft haben uns klar dazu entschieden, diesen Aspekt der Tradition hinter uns zu lassen und den Fokus weiter auf das zu legen, was das Fest wirklich ausmacht: den Zusammenhalt der Insulanerinnen und Insulaner», teilte der Verein Borkumer Jungens mit.


Bildnachweis: © Reinhold Grigoleit/dpa
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