21. Oktober 2021 / Aus aller Welt

Drogenrazzien in NRW: Polizei hebt Marihuana-Ring aus

Wieder eine Großrazzia in NRW - wieder wegen sogenannter Encrochats. Der Messenger-Dienst der Unterwelt wurde von französischen Ermittlern entschlüsselt und führt die Polizei zu einem weiteren Marihuana-Ring.

Großrazzia in Gelsenkirchen. Bei einem großen Einsatz gegen die Drogenkriminalität hat die Polizei in NRW insgesamt elf Objekte in mehreren Städten durchsucht.

Mit der Durchsuchung zahlreicher Objekte und sieben Festnahmen ist der Polizei in Nordrhein-Westfalen ein großer Erfolg gegen die organisierte Drogenkriminalität gelungen.

Insgesamt seien am Donnerstagmorgen elf Objekte in neun NRW-Städten durchsucht worden. «Volltreffer» seien dabei die Durchsuchungen in einem ehemaligen und leerstehenden Möbelhaus in Gelsenkirchen und einem früheren Firmengelände in Duisburg gewesen, sagte Einsatzleiter Klaus Müller von der Hagener Polizei bei einer Pressekonferenz.

Allein in Gelsenkirchen seien vier große Plantagen mit Cannabis-Pflanzen zur Herstellung von Marihuana gefunden worden, eine weitere in Duisburg. Insgesamt wurden etwa 2600 Pflanzen sichergestellt. «Das ist ein großer Erfolg», sagte Müller, der den Wert der Drogen auf bis zu einer Million Euro schätzt. Dazu komme der «enorme Wert» der sichergestellten technischen Geräte.

Die gefundenen Pflanzen und die «sehr professionellen» Gerätschaften für die Beleuchtungs-, Belüftungs- und Bewässerungsanlagen waren so umfangreich und schwer, dass die Polizei-Logistik nicht ausreichte. So seien laut Müller eigens Logistik-Unternehmen engagiert worden, um die Gerätschaften teilweise in Containern abtransportieren.

Mutmaßlicher Drahtziehern den Behörden bekannt

Hauptverdächtiger ist ein 41 Jahre alter Mann, der in Herne gefasst wurde. Der mutmaßliche Drahtzieher der Drogenbande ist den Behörden seit langem bekannt. Gegen ihn laufen laut Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli mehrere Verfahren wegen Drogendelikten aus den Jahren 2013 und 2014.

Er war jahrelang untergetaucht, ehe er sich im April den Behörden stellte. Er kam aber wieder gegen Kaution auf freien Fuß, weil seine Taten bereits lange zurücklagen und er eine feste Anstellung im Immobilienbereich nachweisen konnte. Gerade diese Verbindungen nutzte der 41-Jährige offenbar, um die entsprechenden Immobilien und Objekte für den Anbau der Pflanzen auszusuchen. Müller schloss Verbindungen ins Clan-Milieu nicht aus. «Ich kann es nicht zu hundert Prozent sagen. Aber der Verdacht liegt nahe.»

Die Durchsuchungen der insgesamt elf Objekte unterschiedlicher Natur fanden neben Gelsenkirchen und Duisburg auch in Essen, Bochum, Herne, Lohmar, Wiehl, Iserlohn und Engelskirchen statt. Sechs weitere Verdächtige wurden vorläufig festgenommen, die unter anderem im Verdacht stehen, in den Plantagen gearbeitet zu haben. Der Hauptbeschuldigte muss sich wegen des gewerbsmäßigen Anbaus und Handels mit Betäubungsmittel verantworten.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zeigte sich erfreut über den neuerlichen Coup. «Die NRW-Polizei liefert momentan Monat für Monat ab», sagte er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Er lobte seine Beamten: «Der heutige Einsatz bringt uns wieder ein Stück voran im Kampf gegen die organisierte Drogenkriminalität.» Es handele sich um «ein Riesen-Geschäft, mit dem die Gesundheit von Menschen aufs Spiel gesetzt» werde.

Auswertung von Encrochat-Daten

Die Razzien gingen nach Angaben von Oberstaatsanwalt Pauli auf die Auswertung sogenannter Encrochat-Daten zurück. Der besonders verschlüsselte Messenger-Dienst wird vor allem von Kriminellen genutzt.

Der Polizei in den Niederlanden und Frankreich war es im vergangenen Jahr gelungen, mehr als 20 Millionen geheimer Nachrichten abzuschöpfen. 60.000 Teilnehmer hatten den Chatdienst nach früheren Angaben der europäischen Justizbehörde Eurojust genutzt, weil es hieß, die Technik sei schwer zu knacken.

Aufgrund dieser Daten und Chatverläufe konnte die Ermittlungsgruppe in Hagen in monatelanger «Fisselarbeit» (Müller) die Verdächtigen und die durchsuchten Objekte herausfiltern. In NRW hatte es in den vergangenen Monaten mehrmals Durchsuchungen in Verbindung mit Encrochat-Daten gegeben.


Bildnachweis: © Justin Brosch/dpa
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