6. September 2023 / Aus aller Welt

Forscher enträtseln Familienleben der Przewalski-Pferde

Wie organisieren sich die seltenen Wildpferde in Familienverbänden? Mit Hilfe von Drohnen haben Wissenschaftler aus Ungarn neue Erkenntnisse gewonnen.

Das Przewalski-Pferd ist eigentlich in Zentralasien beheimatet.
Veröffentlicht am 6. September 2023 um 06:47 Uhr von dpa

Über Familienleben und soziales Verhalten der fast ausgestorbenen Przewalski-Pferde ist nur recht wenig bekannt. Ungarische Forscher haben nun mit Hilfe von Drohnen Bewegungsprofile der Tiere erstellt und damit mehr über ihr Familienleben und Paarungsverhalten herausgefunden. Die Gruppe um Katalin Ozogany von der Universität Debrecen hat ihre Ergebnisse im Fachmagazin «Nature Communications» veröffentlicht.

Pferde in freier Natur leben in Familienverbänden - sogenannten Harems - zusammen, die aus einem Hengst und mehreren Stuten sowie dem gemeinsamen Nachwuchs bestehen. Mehrere Harems können sich zu einer Herde zusammenschließen. Junge Stuten, die die Geschlechtsreife erreichen, schließen sich jeweils einem anderen Harem an. Aber auch erwachsene Stuten können dies tun. Bislang war nicht klar, welchen Gesetzmäßigkeiten solche Wechsel folgen.

Drohnen verfolgten Bewegungen der Herde

Die Forscher fertigten im Nationalpark Hortobagy mit Drohnen Bilder der Bewegungen einer Herde an, die aus 278 Wildpferden bestand. Die daraus gewonnenen Daten verglichen sie mit in zwei Jahrzehnten gesammelten Angaben über die genetische und soziale Struktur der Harems. Ein Ergebnis: Bewegen sich Stuten verschiedener Familienverbände häufig nahe beieinander, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie sich künftig dem gleichen Harem anschließen.

Die Methode lasse sich nutzen, um Gruppendynamiken zu rekonstruieren und vorherzusagen, schreiben die Forscher. Auch andere Tierarten leben in ähnlich verschachtelten Gemeinschaften: Primaten, Elefanten oder Wale zum Beispiel, und auch der Mensch.

Przewalski-Pferd galt als fast ausgestorben

Das Przewalski-Pferd (Equus ferus przewalski) ist eigentlich in Zentralasien beheimatet. Benannt sind die Tiere nach ihrem Entdecker, dem russischen Forscher Nikolaj Przewalski. Zeitweise galten sie als fast ausgestorben. Heute umfasst der Bestand durch Zucht wieder weltweit rund 2400 in Zoos und Zuchtstationen. Przewalskis sind etwa so groß wie Ponys (ca. 1,40 Meter) und sehr widerstandsfähig. Sie können in eisiger Kälte, aber auch extremer Hitze leben.

Der Nationalpark Hortobagy ist Teil der Hortobagy-Puszta im Osten Ungarns. Diese ist eine Steppenlandschaft, die durch die Austrocknung des Landes infolge der Regulierung des Flusses Theiß im 19. Jahrhundert entstand. Im Nationalpark leben die Przewalski-Pferde seit 1997. Sie bevölkern einen 3000 Hektar großen, abgezäunten, aber ansonsten natürlichen Siedlungsraum.


Bildnachweis: © Katalin Ozogány/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Rückruf von Dattel-Kugeln ausgeweitet
Aus aller Welt

Betroffen ist ein Artikel des Hamburger Snackunternehmens Foodloose. Kunden sollten vom Verzehr absehen, wenn die Verpackung eine bestimmte Chargennummer trägt.

weiterlesen...
Osterfeuer für das „Abenteuer Alpen“ – Die KjG Neuenkirchen lädt ein!
Stadt Rietberg

Besucher erwartet ein Abend mit Andacht, Feuer, Bratwurst und Getränken

weiterlesen...
«Es geht ihm schlecht» - Lage des Buckelwals unverändert
Aus aller Welt

Seit Tagen hält das Drama um den Buckelwal in der Ostsee an. Die Menschen in Deutschland fiebern mit - wird er sich erneut befreien können? Die Experten hoffen auf die Dunkelheit.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Tausende Menschen von Großbrand in Malaysia betroffen
Aus aller Welt

Mitten in der Nacht greift ein Feuer auf Stelzenhäuser in der malaysischen Küstenstadt über – Tausende Menschen sind betroffen. Enge Gassen und starke Winde erschweren die Löscharbeiten.

weiterlesen...
Strombetreiber nach Blackout: Kein Anzeichen für Anschlag
Aus aller Welt

Seitdem ein Anschlag Anfang des Jahres zu einem tagelangen Blackout geführt hat, reagieren die Menschen in Berlin nervös auf Stromausfälle. Nach einem neuen Fall gibt der Betreiber Entwarnung.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Tausende Menschen von Großbrand in Malaysia betroffen
Aus aller Welt

Mitten in der Nacht greift ein Feuer auf Stelzenhäuser in der malaysischen Küstenstadt über – Tausende Menschen sind betroffen. Enge Gassen und starke Winde erschweren die Löscharbeiten.

weiterlesen...
Strombetreiber nach Blackout: Kein Anzeichen für Anschlag
Aus aller Welt

Seitdem ein Anschlag Anfang des Jahres zu einem tagelangen Blackout geführt hat, reagieren die Menschen in Berlin nervös auf Stromausfälle. Nach einem neuen Fall gibt der Betreiber Entwarnung.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner