5. Januar 2023 / Aus aller Welt

Harry wirft William körperlichen Angriff vor

Noch bevor sie überhaupt auf dem Markt sind, machen Prinz Harrys Memoiren schon Schlagzeilen. Über britische Medien gelangen Vorwürfe gegen das Königshaus an die Öffentlichkeit. Der Palast schweigt.

Das schwierige Verhältnis von William (l) und Harry belastet auch die Familie.

Ein böses Wort zu viel, ein Stoß von William - und Prinz Harry liegt am Boden, verletzt von Scherben eines zerbrochenen Hundenapfs. So zumindest schildert der Royal einem Bericht zufolge in seinen Memoiren den wohl heftigsten bislang bekannten Streit zwischen ihm und dem Mann, der nicht nur sein Bruder, sondern auch britischer Thronfolger ist.

Der «Guardian» und andere britische Medien sicherten sich am Donnerstag bereits Exemplare des eigentlich noch streng geheimen Buchs - und geben einen ersten Einblick in die Abgründe der nahenden royalen Eskalation. Harrys Autobiografie «Spare» (deutsch: «Reserve») soll am 10. Januar erscheinen.

«Es ging alles so schnell. Sehr schnell. Er packte mich am Kragen, zerriss meine Kette und warf mich zu Boden», zitiert der «Guardian» Harrys Schilderungen über den Streit vor mehr als drei Jahren. Prinz William soll Harrys Frau Meghan nach dessen Darstellung zuvor als «schwierig» und «unhöflich» beschrieben haben, woraufhin Harry seinem Bruder vorwarf, das Narrativ der britischen Boulevardpresse zu übernehmen.

«Sun» und «Daily Mail» berichteten später über eine Passage, in der Harry erzählt, er und William hätten Charles vor Jahrzehnten inständig gebeten, dessen Partnerin Camilla - heute Königin Camilla - nicht zu heiraten. Der Palast kommentierte all das zunächst nicht.

«Never complain, never explain»

Ob das Königshaus seine Devise «Never complain, never explain» (deutsch: «Niemals beschweren, niemals erklären») weiter durchhalten kann, ist fraglich. Sicher scheint, dass Harry in seiner Autobiografie deutlich härter gegen seine Familie austeilen wird als in der Netflix-Dokuserie «Harry & Meghan», die vor Weihnachten erschienen ist. Darin erzählt das Paar seinen Ausstieg aus dem Königshaus nach, geht aber vor allem mit dem britischen Boulevard ins Gericht.

Diesmal dürfte der Familienfrieden, der zumindest nach dem Tod von Queen Elizabeth II. oberflächlich wieder hergestellt schien, in die Brüche gehen. «Zeit mag Wunden heilen, aber es ist schwer vorstellbar, wie sich die Brüder davon erholen und wieder Vertrauen aufbauen sollen, wenn einer von beiden die Kluft sehr öffentlich mit dem Rest der Welt teilen möchte», kommentiert der Sender Sky News.

Dass das schwierige Verhältnis der Brüder auch die Familie belastet, soll in Harrys Buch explizit zur Sprache kommen. Bei einem Treffen nach der Beerdigung von Prinz Philip im Jahr 2021 soll Charles - damals noch Thronfolger - seine Söhne gebeten haben: «Bitte Jungs. Macht meine letzten Jahre nicht zu einem Elend», erinnert sich Harry dem «Guardian» zufolge.

Aktuell ist für «Spare» eine Geheimhaltungsoperation im Gange, die mit jener der Harry-Potter-Serie verglichen wurde, aber anscheinend schief ging: Nach Angaben britischer Medien gelangte das Buch des Prinzen in Spanien bereits am Donnerstag versehentlich in den Handel. Der britische Nachrichtensender Sky News berichtete, die Bücher seien in den Auslagen einer großen Buchhandelskette in Spanien verfügbar gewesen, «und dann hastig entfernt worden, nachdem der Fehler auffiel». Viele britische Medien sicherten sich rechtzeitig ein Exemplar.

Drogen-Experimente

Stunde für Stunde vermeldeten sie danach neue Offenbarungen, die Harry in seiner Autobiografie verarbeitet: Mit 17 habe er Kokain genommen. Auf einem Jagdwochenende sei ihm die Droge angeboten worden, danach habe er noch häufiger gekokst, schrieb er dem Sender Sky News zufolge. «Es hat nicht sehr viel Spaß gemacht oder mich besonders glücklich gemacht, wie das bei anderen der Fall ist, aber ich habe mich anders gefühlt, und das war mein Hauptziel. Etwas zu fühlen. Anders zu sein», schrieb Harry. Er sei ein Teenager gewesen, der gegen das Establishment habe rebellieren wollen - zumindest habe er sich dies selbst so erklärt.

Noch bevor das Buch seine volle Wucht entfaltet hat, scheint sich der Autor gleichzeitig um Schadensbegrenzung zu bemühen. «Die Tür ist immer offen», sagt Harry in einem Teaser für ein ITV-Interview, das der britische Sender am Sonntag ausstrahlen will. Er hoffe, dass seine Familie bereit sei, sich zusammenzusetzen und über alles zu reden.

Auf die Frage, ob er an der Krönung seines Vaters im Mai teilnehmen wolle, antwortet der 38-Jährige ausweichend: «Bis dahin kann viel passieren.» Im gleichen Interview offenbart Harry jedoch auch, er wünsche sich William und seinen Vater «zurück». Der Ball liege nun aber im Spielfeld des Palastes.


Bildnachweis: © Martin Meissner/AP/dpa
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