11. August 2021 / Aus aller Welt

Kleingärten in Corona-Pandemie neu entdeckt

In den großen Städten boomt der Schrebergarten schon länger, bundesweit gibt es auf lange Sicht aber immer weniger Kleingärten. Doch nun deutet sich auch im ländlichen Raum ein gegenläufiger Trend an.

Eine Kleingartenanlage in Potsdam.

Generationenwechsel im Kleingartenwesen: Während die bundesweite Zahl der Kleingärten in den vergangenen Jahrzehnten stetig schrumpfte, entdecken vor allem in Großstädten immer mehr und immer jüngere Menschen den Schrebergarten für sich.

Rund 900.000 Kleingärten vereint der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) derzeit nach eigenen Angaben unter seinem Dach. Weitere 200.000 seien bei anderen Einrichtungen organisiert, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage mehrerer Abgeordneter und der Linken vom Juni hervorgeht. Im Jahr 1990 seien es hingegen noch etwa 1,3 Millionen Kleingärten gewesen. Seit Beginn der Corona-Pandemie scheinen jedoch einige den Schrebergarten neu für sich zu entdecken.

Einen vermehrten Leerstand in Kleingarten-Anlagen stellt die Bundesregierung vor allem in strukturschwachen Regionen fest. Eine im Jahr 2013 veröffentlichte Studie im Auftrag der Bundesregierung zählt insgesamt 45.000 leerstehende Parzellen, viele davon im Osten, aber auch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Im Jahr 2018 standen bereits 65.000 Kleingärten leer, wie aus der 2019 veröffentlichten und ebenfalls von der Bundesregierung beauftragten Studie «Kleingärten im Wandel» hervorgeht. «Der Leerstand betrifft insbesondere den ländlichen Raum; die größeren Städte sind davon nicht betroffen», heißt es.

Während der Corona-Pandemie hingegen stellte sich die Lage nach Angaben des BDG, der eine stark anziehende Nachfrage nach Kleingärten feststellt, entspannter dar. «Selbst in Lagen, die vor der Corona-Pandemie teilweise leerstehende Parzellen aufwiesen, gibt es jetzt oft wieder Wartelisten», sagte der BDG-Geschäftsführer Stefan Grundei, der die Ursache für die steigende Nachfrage nicht nur in der Coronakrise sieht. Nach Darstellung Grundeis hat Corona einen ohnehin seit Jahren bestehenden Trend «hin zum Kleingarten» verstärkt.

Und tatsächlich scheint sich in den Großstädten eher ein gegenläufiger Trend zum Leerstand zu entwickeln, der offenbar auch mit einer Verjüngung der Klientel einhergeht. «Im Kleingartenwesen vollzieht sich ein Generationswechsel. Dieses ist auch einem positiven Imagewandel des Kleingartenwesens geschuldet», heißt es mit Blick auf die Altersstruktur der Pächter in der Antwort der Bundesregierung.

Zwar liegt der Anteil der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner, die 56 Jahre alt oder älter sind, bei insgesamt 74 Prozent. Allerdings sei eine Verjüngung erkennbar. Die Studie «Kleingärten im Wandel» sieht den Hauptgrund dafür in der stärkeren Nachfrage von «jungen Haushalten, meist Familien mit Kindern, die zudem internationaler werden.» In den Großstädten seien die Vereinsmitglieder häufig jünger als in den kleineren Städten.

Die hohe Nachfrage nach Kleingärten in den Großstädten ist nach Angaben der Studie «Kleingärten im Wandel» vor allem auf ein neu entwickeltes Umweltbewusstsein der Stadtbewohner zurückzuführen. «Insgesamt spiegelt sich darin auch ein zunehmendes Bedürfnis wider, sich mehr für den Natur- und Umweltschutz zu engagieren und Grün- und Freiflächen gerade in den Ballungszentren als Orte der Erholung und
Entspannung zu nutzen, zu sichern und attraktiver zu machen», heißt es dort.

Dass der Kleingartenbestand insgesamt zurückging, erklärt die Studie etwa mit der fehlenden Nachfrage in strukturschwachen Regionen und dem daraus folgenden Rückbau von Gärten und Anlagen. «Zurückgegangen sind die Bestände aber auch durch Umnutzungen für Wohnungsbau, für den Bau von wohnbegleitenden Infrastruktureinrichtungen sowie für Gewerbe- und Verkehrsflächen in Kommunen mit Wachstumsdruck sowie durch den Wegfall kleingärtnerischer Nutzungen», heißt es weiter.


Bildnachweis: © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa
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