9. November 2022 / Aus aller Welt

Experten: Stärkere gesundheitliche Folgen der Klimakrise

Schreitet der Klimawandel weiter voran, dürfte das auch in Europa zu mehr Krankheits- und Todesfällen führen. Ärzte ohne Grenzen fordert, die Klimakrise auch als Gesundheitskrise zu verstehen.

In Europa gab es im Sommer eine Zuspitzung von Hitzewellen, Dürren und Waldbränden.

Die Klimakrise bringt für Menschen in Europa und schon stark betroffenen anderen Weltregionen zunehmende Gesundheitsrisiken mit sich. Ohne weitere Maßnahmen gegen den Klimawandel werden voraussichtlich mehr Europäerinnen und Europäer etwa aufgrund von Hitzewellen oder Infektionskrankheiten erkranken oder sterben, wie die EU-Umweltagentur EEA am Mittwoch in einem neuen Bericht warnte. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen rief dazu auf, den Klimawandel auch als «echte Gesundheitskrise» wahrzunehmen.

Die in Kopenhagen ansässige EEA hat sich für ihren Bericht angeschaut, in welchem Maße der Klimawandel eine Bedrohung für Gesundheit und Wohlbefinden in Europa darstellt. Dabei hat sie einen Fokus auf die Auswirkungen hoher Temperaturen und der klimabedingten Ausbreitung von Infektionskrankheiten gelegt. Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber werden sich demnach mit voranschreitendem Klimawandel voraussichtlich weiter nach Norden ausbreiten und eine höhere Krankheitslast verursachen.

Beispiellose Hitzewellen als größte Bedrohung

Hitzewellen können zur zunehmenden Gefahr werden, weil sie im Zuge des Klimawandels häufiger und heftiger werden. Bereits im Zeitraum von 1980 bis 2020 waren sie nach EEA-Angaben für 86 bis 91 Prozent aller Todesfälle durch extreme Wetter- und Klimaereignisse in den Mitgliedstaaten verantwortlich. Beispiellose Hitzewellen, wie man sie in diesem Jahr gesehen habe, stellten die größte direkt mit dem Klima zusammenhängende Gesundheitsbedrohung für Europäerinnen und Europäer dar, erklärte die EEA.

Schon heute führt Hitze jährlich zu zahlreichen Todes- und Krankheitsfällen in Europa. Die Umweltagentur warnte, dass die Zahlen ohne weitere Maßnahmen gegen die Klimakrise zunehmen werden. Mittel zur Anpassung seien unter anderem die Schaffung von grünen und schattigen Plätzen in Städten, eine bessere Gebäudegestaltung sowie angepasste Arbeitszeiten. Es sei an der Zeit, von der Planung zum Handeln zu kommen, erklärten die Experten auch mit Blick auf die gerade in Ägypten stattfindende Weltklimakonferenz COP27.

Anderswo auf der Welt, etwa in Afrika, Südamerika und Südostasien, müssen die Menschen schon seit längerem mit klimabedingten Gesundheitsgefahren fertig werden. Die Mehrheit der Menschen in den Ländern des globalen Südens leide bereits unter den Folgen der Erderhitzung, sagte die internationale medizinische Leiterin von Ärzte ohne Grenzen, Maria Guevara, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Wenn darauf nicht unverzüglich reagiert werde, werde die Krise für alle noch schlimmer.

Cholera-Ausbrüche nehmen bereits zu

Die Weltgesundheit leidet laut Guevara erheblich unter Klimafolgen wie Überschwemmungen oder Insektenplagen. Man sehe ein exponentielles Wachstum bei Krankheiten, die über Insekten, Wasser oder Lebensmittel übertragen werden. «Zwischen 2017 und 2021 wurden beispielsweise weniger als 20 größere Cholera-Ausbrüche pro Jahr gemeldet. In diesem Jahr sind es bereits mindestens 29.»

Hinzu kommt die Gefahr weiterer Pandemien. Mit neuen Ausbrüchen sei zu rechnen, so Guevara. Das liege daran, dass die Menschheit immer weiter in die Lebensräume von Tieren eindringe, zugleich suchten sich viele Tierarten wegen der Erderhitzung neue Lebensräume. Krankheiten könnten so leichter auf den Menschen überspringen.


Bildnachweis: © Sebastian Gollnow/dpa
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