25. Juni 2021 / Aus aller Welt

Knochen eines unbekannten Urmenschen in Israel gefunden

Stammt der Neandertaler tatsächlich aus Europa? Neue Knochenfunde des Nesher Ramla Homo aus der Levante könnte nun an dieser verbreiteten Annahme rütteln.

Die Illustration zeigt die gefundenen Überreste an ihrer entsprechenden Stelle eines Kopfes.
Veröffentlicht am 25. Juni 2021 um 11:29 Uhr von dpa

In Israel haben Forscher die Knochen eines bisher unbekannten Urmenschen gefunden. Er habe bis vor rund 130.000 Jahren in der Levante gelebt, teilte die Tel Aviver Universität am Donnerstag mit.

Überreste des Urmenschen, den das Forscherteam als Nesher Ramla Homo bezeichnet, seien in der Nähe von Ramla bei Tel Aviv gefunden worden. Der nun entdeckte Typus stamme aus dem mittleren Pleistozän-Zeitalter. Er weise Ähnlichkeiten mit in Israel und Eurasien gefundenen Überresten anderer Urmenschen auf, die vor rund 400.000 gelebt hätten.

«Die Entdeckung einer neuen Gruppe von Urmenschen in dieser Region, die den Populationen der Neandertal-Vorfahren in Europa ähnelt, rüttelt an der vorherrschenden These, dass die Neandertaler aus Europa stammten», hieß es in der Mitteilung der Universität. Es weise vielmehr darauf hin, «dass zumindest einige Vorfahren der Neandertaler aus der Levante kamen». Die Forscher präsentieren ihre Arbeit im Fachjournal «Science».

Aus dem Knochenfund lasse sich schließen, dass zwei Gruppen von Urmenschen in der Levante mehr als 100.000 Jahre lang Seite an Seite lebten. Sie hätten Wissen und Werkzeugtechnologie geteilt. Der Nesher Ramla Homo habe von vor 400.000 Jahren an in der Region gelebt und der Homo sapiens sei später gekommen, vor etwa 200.000 Jahren. Spätere Funde wiesen darauf hin, dass beide Gruppen sich auch vermischt hätten.

Der Urmensch Nescher Ramla verbinde Eigenschaften des Neandertalers, vor allem an Zähnen und Kiefer, und anderer Mitglieder der Gattung Homo, vor allem am Schädel. Gleichzeitig sei er sehr anders als moderne Menschen - er habe eine vollkommen andere Schädelstruktur, kein Kinn, und sehr große Zähne. Es handele sich um die sogenannte «fehlende» Art, mit der sich Homo sapiens gepaart hätten, als sie in die Region kamen.

An der Entdeckung waren Anthropologen, Mediziner und Archäologen von der Tel Aviver Universität sowie von der Hebräischen Universität in Jerusalem beteiligt. Anthropologie-Professor Israel Hershkovitz sagte, die Entdeckung des bisher unbekannten Urmenschen sei «von großer wissenschaftlicher Bedeutung». Es sei ein neues Puzzleteil, das zum Verständnis der menschlichen Wanderungen in der Urzeit beitrage.


Bildnachweis: © Tel Aviv University/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Rückruf von Dattel-Kugeln ausgeweitet
Aus aller Welt

Betroffen ist ein Artikel des Hamburger Snackunternehmens Foodloose. Kunden sollten vom Verzehr absehen, wenn die Verpackung eine bestimmte Chargennummer trägt.

weiterlesen...
Erneute Auszeichnung für drei starke Innungsbetriebe
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Drei Betriebe aus dem Bereich des Lebensmittelhandwerks dürfen sich erneut über eine besondere Anerkennung freuen: Die...

weiterlesen...
Save the Date: Goldener Kamm in Gütersloh
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Italienerin täuscht Tod der Tochter mit KI-Bildern vor
Aus aller Welt

Mit KI-generierten Bildern hat eine Frau eine ehemalige Arbeitskollegin um Geld gebracht. Die erfundene Geschichte rund um den Tod einer Tochter flog erst durch Hinweise von Angehörigen auf.

weiterlesen...
Himmelfahrt fällt vielerorts ins Wasser
Aus aller Welt

Am Feiertag drohen vielerorts Schauer, Gewitter und stürmische Böen. Warum Regenschirm und warme Kleidung an Christi Himmelfahrt sinnvoll sind.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Italienerin täuscht Tod der Tochter mit KI-Bildern vor
Aus aller Welt

Mit KI-generierten Bildern hat eine Frau eine ehemalige Arbeitskollegin um Geld gebracht. Die erfundene Geschichte rund um den Tod einer Tochter flog erst durch Hinweise von Angehörigen auf.

weiterlesen...
Himmelfahrt fällt vielerorts ins Wasser
Aus aller Welt

Am Feiertag drohen vielerorts Schauer, Gewitter und stürmische Böen. Warum Regenschirm und warme Kleidung an Christi Himmelfahrt sinnvoll sind.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner