Bei den UN-Verhandlungen um ein Abkommen zum Schutz der Hohen See zeichnet sich wenige Tage vor Ende einer Konferenz in New York noch kein Durchbruch ab. Diplomatinnen und Diplomaten sowie Beobachter haben aber gebremste Hoffnung, dass es bis zum Ende des Treffens am Freitagabend New Yorker Zeit eine Einigung für einen global verbindlichen Vertrag geben könnte. Mit einem Abkommen zum Schutz der Hochsee setzen sich die Länder der Welt bereits seit rund 15 Jahren auseinander, seit 2018 gab es schon mehrfach Verhandlungsrunden dazu. Im vergangenen August war eine Konferenz ergebnislos vertagt worden. Das Abkommen soll die biologische Vielfalt auf Hoher See unter international verbindlichen Schutz stellen. Ziel der EU-Staaten ist es vor allem, künftig mindestens 30 Prozent der Weltmeere mit Schutzgebieten zu versehen. Zudem sollen Umweltverträglichkeitsprüfungen menschlicher Aktivitäten festgelegt werden. Zwei Drittel der Ozeane weltweit gehören zur Hohen See und sind damit weitgehend rechtsfreier Raum. Bei den komplizierten Verhandlungen zwischen den UN-Mitgliedsstaaten in New York geht es momentan zum einen um die Frage, wie in Zukunft festgelegt werden soll, welche Teile der Hohen See Schutzgebiete werden sollen. Vor allem China und Russland drängen Diplomatinnen und Diplomaten zufolge darauf, dass dies einstimmig geschehen müsse - dann könnte jedes Land jede Entscheidung zur Einrichtung einer entsprechenden Zone blockieren. Dies wird unter anderem von westlichen Staaten, die auf eine Mehrheitsentscheidung pochen, als nicht praktikabel angesehen. «Eine Reihe von Ländern versucht auch hier den Status quo zu erhalten, um auch in Zukunft die großen Gewinne aus Fischerei oder der Gewinnung von Bodenschätzen einzustecken», sagte Ralf Sonntag von der Nichtregierungsorganisation World Future Council. «Deshalb ist es unerlässlich, dass mögliche Beschlüsse nicht von einem oder zwei Ländern blockiert werden können.» Ein weiteres Schlüsselthema dreht sich um Gewinne und Erträge, von denen niemand weiß, ob sie jemals Realität werden: Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen erhoffen sich durch Lebewesen in der kaum erforschten Hochsee und deren DNA in Zukunft Durchbrüche zum Beispiel in der Medizin. Je nachdem, ob dies passiert und wie fundamental diese Fortschritte sind, könnten sie enorme Gewinne abwerfen. Da diese Erträge wahrscheinlich vor allem im wissenschaftlich starken sogenannten globalen Norden erzielt werden würden, soll ein Mechanismus an Ausgleichszahlungen an den Süden etabliert werden. So könnten alle Länder auf der Welt von dem Gemeingut der Hohen See profitieren. Wie dieser Mechanismus allerdings genau aussehen soll, ist derzeit noch Diskussionsgegenstand Verhandlerinnen und Verhandler aus dem Westen empfinden Russland bei den Gesprächen bislang als sehr destruktiv. Die Haltung Moskaus, das auch nicht Teil von ähnlichen internationalen Verträgen ist, könnte darauf hinauslaufen, dass sich Russland dem Vertrag nicht anschließt. Die Rolle Chinas wird derweil als etwas konstruktiver beschrieben.Zwei Drittel quasi rechtsfreier Raum
Enorme Gewinne möglich
Bildnachweis: © John Minchillo/AP/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Komplizierte UN-Verhandlungen zum Schutz der Hochsee
Bei den Verhandlungen über ein umfassendes Abkommen geht es unter anderem um die Frage, wie künftige Gewinne aus der Erforschung der Weltmeere gerecht verteilt werden. Eine Einigung gibt es noch nicht.
Meistgelesene Artikel
- 16. April 2026
Rückruf von Dattel-Kugeln ausgeweitet
Betroffen ist ein Artikel des Hamburger Snackunternehmens Foodloose. Kunden sollten vom Verzehr absehen, wenn die Verpackung eine bestimmte Chargennummer trägt.
Besucher erwartet ein Abend mit Andacht, Feuer, Bratwurst und Getränken
- 29. März 2026
«Es geht ihm schlecht» - Lage des Buckelwals unverändert
Seit Tagen hält das Drama um den Buckelwal in der Ostsee an. Die Menschen in Deutschland fiebern mit - wird er sich erneut befreien können? Die Experten hoffen auf die Dunkelheit.
Neueste Artikel
- 18. April 2026
Erpressung mit Rattengift bei Babynahrung-Hersteller Hipp
Lebensgefahr durch manipulierte Babynahrung? Hipp ruft in Österreich Gläschen zurück. Was Eltern wissen müssen – und warum die Polizei noch wenig bekannt gibt.
- 18. April 2026
Mehrere Tote bei Schießerei in Kiew
Ein Unbekannter erschießt auf offener Straße Passanten. Was sind die Hintergründe der Tat?
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 18. April 2026
Erpressung mit Rattengift bei Babynahrung-Hersteller Hipp
Lebensgefahr durch manipulierte Babynahrung? Hipp ruft in Österreich Gläschen zurück. Was Eltern wissen müssen – und warum die Polizei noch wenig bekannt gibt.
- 18. April 2026
Mehrere Tote bei Schießerei in Kiew
Ein Unbekannter erschießt auf offener Straße Passanten. Was sind die Hintergründe der Tat?





