7. Januar 2026 / Aus aller Welt

Kriminalbeamte fordern Kontrollmechanismen für Schließfächer

Bei Konten müssen Banken auffällige Bewegungen melden. Schließfächern sind bei der Geldwäschebekämpfung außen vor. Dies gehört auf den Prüfstrand, meint der Bund Deutscher Kriminalbeamter NRW.

Oliver Huth, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Nordrhein-Westfalen, fordert eine Debatte über den Sonderstatus von Schließfächern. (Archivbild)
Veröffentlicht am 7. Januar 2026 um 14:47 Uhr von dpa

Angesichts des spektakulären Bankeinbruchs in Gelsenkirchen und Mutmaßungen über eine hohe Beutesumme fordert der Bund Deutscher Kriminalbeamter NRW Schließfächer in den Fokus zu nehmen. 

«Ich finde das aberwitzig, dass wir hier Geldwäschebekämpfung betreiben, in ein Schließfach aber jeder reindonnern darf, was er will», sagte der NRW-Landesvorsitzende des BDK, Oliver Huth, der Deutschen Presse-Agentur. 

Mittlerweile befinde sich die sechste Geldwäscherichtlinie der EU in der Umsetzung, Schließfächer seien aber komplett außen vor. «Mit diesem Modell reichen wir der Organisierten Kriminalität die Hand», kritisierte er. 

Diese Debatte sollte geführt werden. Er wolle damit weder einen Tatverdacht noch eine Vorverurteilung aussprechen. Unter Schließfächermietern könnten auch Kriminalitätsopfer sein, die Familienschmuck in Sicherheit wissen wollen. 

Warum Bargeld im Schließfach? 

«Es gibt keinen Grund Bargeld im Schließfach zu hinterlegen und nicht aufs Sparkonto zu packen», sagte Huth. Die Einzigen, die sich Geld unters Kopfkissen legten, seien ältere Leute, die mit Bankgeschäften Probleme hätten. 

Er gehe davon aus, dass es im Sinne der Normalverteilung auch unter Schließfachbesitzern «schwarze Schafe» gebe. Er selbst habe als Beamter schon 300.000 Euro im Bankschließfach einer Kindergärtnerin gefunden.

Tresor-Coup von langer Hand vorbereitet

Zum konkreten Fall des Aufbruchs von Tausenden Schließfächern in einer Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen wollte sich Huth nicht äußern. Schwere Bandenkriminalität werde erfahrungsgemäß langwierig vorbereitet. 

In vergleichbaren Fällen die bekannt seien, hätten sich die Täter Informationen unter anderem auch über die Gebäudestruktur besorgt. Solche Straftaten würden erfahrungsgemäß von langer Hand sehr akribisch vorbereitet.

Fast alle Schließfächer aufgebrochen

Bei dem Einbruch in der Gelsenkirchener Sparkasse-Filiale hatten die Täter fast alle 3.250 Kunden-Schließfächer aufgebrochen. Die Täter drangen in einen Archivraum ein, von dem aus sie ein großes Loch in den Tresorraum bohrten. 

Den Einbruch hatten Einsatzkräfte am frühen Morgen des 29. Dezember infolge eines Alarms der Brandmeldeanlage entdeckt. Die Beutetour zog sich möglicherweise über mehrere Tage hin. Die Täter konnten entkommen. 

Banken besitzen keine Kenntnis darüber, was sich in Schließfächern befindet. 

Ein Anwalt von Betroffenen widersprach bereits Spekulationen über mögliches Schwarzgeld in den aufgebrochenen Schließfächern. Ein Großteil seiner Mandanten habe bereits Nachweise über einen seriösen Erwerb - etwa Videos von der Einlagerung von Bargeld oder Goldschmuck - vorgelegt.


Bildnachweis: © Federico Gambarini/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Segelflugzeug stürzt auf A45 – ein Toter bei Olpe
Aus aller Welt

Beim Absturz eines Segelflugzeugs auf eine Autobahn im Sauerland kommt der Pilot ums Leben. Die Polizei ermittelt, zur Ursache gibt es noch keine Angaben.

weiterlesen...
Malle-Rietberg-Festival wird verschoben
Gartenschaupark Rietberg

Event findet nun am Fronleichnamstag, Donnerstag, 4. Juni, statt Rietberg. Das Malle-Rietberg-Festival, das am Vatertag,...

weiterlesen...
Studie: Leben und Arbeiten im Kreis Gütersloh
Kreis Gütersloh

Gütersloh. Wie leben Menschen aus Rumänien, Polen, Bulgarien oder Nordmazedonien im Kreis Gütersloh? Welche...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Umwelthilfe übt Müllkritik an Musikfestivals
Aus aller Welt

Weniger Einweg, mehr grüne Lösungen: Warum die DUH bei Großfestivals wie Rock am Ring auf konsequente Mülltrennung und nachhaltige Toiletten pocht.

weiterlesen...
Raus aus den Klamotten – FKK erlebt zögerliches Comeback
Aus aller Welt

Immer mehr Menschen entdecken die Freikörperkultur (FKK) in Deutschland neu. Auf Campingplätzen, Sportplätzen oder Wanderwegen wächst das Interesse, auch bei Jüngeren.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Umwelthilfe übt Müllkritik an Musikfestivals
Aus aller Welt

Weniger Einweg, mehr grüne Lösungen: Warum die DUH bei Großfestivals wie Rock am Ring auf konsequente Mülltrennung und nachhaltige Toiletten pocht.

weiterlesen...
Raus aus den Klamotten – FKK erlebt zögerliches Comeback
Aus aller Welt

Immer mehr Menschen entdecken die Freikörperkultur (FKK) in Deutschland neu. Auf Campingplätzen, Sportplätzen oder Wanderwegen wächst das Interesse, auch bei Jüngeren.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner