9. Januar 2023 / Aus aller Welt

Lieferengpässe bei Krebsmedikamenten häufen sich

Engpässe bei Medikamenten bereiten den Fachleuten Sorgen. Betroffen sind vor allem Arzneimittel, die seit Jahren in der Krebstherapie eingesetzt werden.

Die Engpässe bei Medikamenten - vor allem für die Krebstherapie - nehmen zu. (Archivbild)
Veröffentlicht am 9. Januar 2023 um 13:46 Uhr von dpa

Die Zahl der Arzneimittelenpässe in der Krebstherapie ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) mit. «Die Arzneimittelengpässe bestehen bereits seit Jahren, nehmen derzeit aber sicher deutlich zu», sagt Hermann Einsele, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO.

Die Ursachen seien vielfältig. Es gebe Probleme bei der Herstellung und durch die Abhängigkeit von Lieferketten im Ausland, aber auch einen erhöhten Bedarf. In einzelnen Fällen bestehe das Problem, dass Medikamente aus wirtschaftlichen Gründen vom Markt genommen würden.

Betroffen sind demnach vor allem Medikamente, die seit Jahren in der Krebstherapie eingesetzt werden. Laut DGHO sind das zum Beispiel das Brustkrebs-Mittel Tamoxifen und Nab-Paclitaxel, das ebenfalls bei Brustkrebs sowie Bauchspeicheldrüsenkrebs und Lungenkrebs zur Anwendung kommen. Auch unterstützende Arzneimittel für Krebspatienten wie Antibiotika und Harnsäuresenker seien von Lieferengpässen betroffen.

Mehr Produktionsstätten für Medikamente gefordert

Engpässe gebe es vor allem bei «Standardmedikamenten», sagt Matthias Beckmann von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Die Alternativen seien nicht immer gleichwertig. Es könne etwa stärkere Nebenwirkungen geben. «Die Frauen brechen einfach die Therapie ab, wenn die Nebenwirkungen zu hoch sind.» Zudem wirke sich die Situation auch auf die Beziehung zwischen Ärzten und Patienten aus. «Unser Vertrauensverhältnis mit den Patientinnen und Patienten ist nachhaltig gestört durch die Lieferengpässe.»

Im vergangenen Jahr hätten von etwa 200 in Deutschland zugelassenen Krebsmedikamenten etwa 10 «kritisch gefehlt», sagt Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der DGHO. Die Sorge sei, dass ein nicht kompensierter Lieferengpass zu einem Versorgungsengpass werde. «Und eben dann auch, das ist für uns der Horror, dass es in der Tat zu einer Verschlechterung der Prognose kommt.»

Bereits in den vergangenen Jahren sei ein Register für Lieferengpässe aufgebaut worden. Wörmann fordert, langfristig mehr Produktionsstätten in Europa aufzubauen. Nach Ansicht von Thomas Seufferlein, Mitglied im Vorstand der Deutschen Krebsgesellschaft, muss vor allem das Monitoring ausgebaut werden. «Wir brauchen wirklich ein präventives Frühwarnsystem und entsprechende Möglichkeiten, um ein gegebenenfalls entstehendes Versorgungsdefizit rechtzeitig abzuwenden.»


Bildnachweis: © Rolf Vennenbernd/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Goldener Kamm in Gütersloh
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...

weiterlesen...
Rietberger Stoppelmarkt lockt in die Innenstadt
Stadt Rietberg

Buntes Programm am Sonntag, 13. September  Rietberg. Der Herbst steht vor der Tür und mit ihm der Rietberger...

weiterlesen...
Je schneller Wälder brennen, desto intensiver brennen sie
Aus aller Welt

Verheerende Waldbrände wie in der Eifel-Region kennen Regionen wie Kanada und die USA schon deutlich länger. Forscher haben diese untersucht – und haben auch Botschaften für Europa.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Jugendlicher flieht in gestohlenem Auto – Polizei schießt
Aus aller Welt

Ein 17-Jähriger rast in einem gestohlenen Auto davon und durchbricht eine Straßensperre. Dabei soll er auf einen Polizisten zugefahren sein. Nun sitzt der Jugendliche in Untersuchungshaft.

weiterlesen...
Fährunglück in Indonesien: Rettungskräfte suchen Vermisste
Aus aller Welt

In Inselstaat Indonesien sind Fähren unverzichtbar. Doch auf dem Weg nach Borneo reißt der Funkkontakt zu einem Schiff ab. Es werden Tote geborgen, nach mehr als 120 Menschen wird noch gesucht.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Jugendlicher flieht in gestohlenem Auto – Polizei schießt
Aus aller Welt

Ein 17-Jähriger rast in einem gestohlenen Auto davon und durchbricht eine Straßensperre. Dabei soll er auf einen Polizisten zugefahren sein. Nun sitzt der Jugendliche in Untersuchungshaft.

weiterlesen...
Fährunglück in Indonesien: Rettungskräfte suchen Vermisste
Aus aller Welt

In Inselstaat Indonesien sind Fähren unverzichtbar. Doch auf dem Weg nach Borneo reißt der Funkkontakt zu einem Schiff ab. Es werden Tote geborgen, nach mehr als 120 Menschen wird noch gesucht.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner