23. August 2022 / Aus aller Welt

Fischsterben mit gigantischem Ausmaß

Politiker, Institute und Verbände suchen nach der Umweltkatastrophe in der Oder nach Antworten. Im Umweltausschuss des Brandenburger Landtags geht unter anderem um das Ausmaß der Katastrophe.

Ein toter Fisch am Ufer der Oder in Lebus.

Das Fischsterben in der Oder hat nach Einschätzung von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) historische Ausmaße angenommen. «Ein Fischsterben, wie wir es noch nie hatten - zumindest seit 1989 - mit gigantischem Ausmaß», sagte Vogel in einer Sondersitzung des Umweltausschusses im Landtag.

Nach Schätzungen des Instituts für Binnenfischerei sind zwischen 25 und 50 Prozent der Fische getötet worden. Die Verluste der Fischereibetriebe an der Oder seien drastisch. Nach Ansicht des Leiters des Nationalparks Unteres Odertal muss nun mit Maßnahmen die Widerstandsfähigkeit der Oder gestärkt werden.

Allein in der Verbrennungsanlage der Raffinerie PCK Schwedt seien bereits 22 Tonnen Fischkadaver entsorgt worden, weitere 88 Tonnen seien dort zur Vernichtung angemeldet, berichtete der Umweltminister, «und viele Tonnen toter Fisch sind noch gar nicht erfasst».

«Beim Fischsterben findet man nicht jeden toten Fisch»

Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Binnenfischerei (IfB), Uwe Brämick, geht von 200 bis 400 Tonnen Fisch aus, die getötet wurden. «Beim Fischsterben findet man nicht jeden toten Fisch, wir müssen davon ausgehen, dass zwei- bis viermal so viel Fische gestorben sind, wie geborgen und entsorgt worden sind.»

Die Verluste der Fischereibetriebe an der Oder bezeichnete er als drastisch. «Wir gehen davon aus, dass es zwei bis vier Jahre dauern wird, bis sich die Potenziale der Bestände wieder so entwickelt haben, wie es vor dieser Entwicklung der Fall war.» In der Oder werden ihm zufolge normalerweise etwa 50 bis 60 Tonnen Fisch durch die 12 Fischereibetriebe gefangen, die damit 80 Prozent ihrer Erlöse einnehmen. Ebenso viele Tonnen holen Angler jährlich aus dem Fluss.

Brämick sprach sich für ein längerfristiges Monitoring bei der Nutzung der Fischbestände aus. So könnten nach solchen Ereignissen die Folgen besser eingeschätzt und bewertet werden.

«Wir brauchen eine Kur für die Oder»

Nach Ansicht des Leiters des Nationalparks Unteres Odertal, Dirk Treichel, muss die Widerstandsfähigkeit des Fließgewässersystems der Oder gestärkt werden. «Wir brauchen eine Kur für die Oder», sagte Treichel beim Umweltausschuss. Es müsse alles unternommen werden, um den Stress des Ökosystems zu minimieren. Dazu gehörten die Verhinderung von Gewässereinleitungen und gewässerbauliche Maßnahmen.

Im Zusammenhang mit dem Fischsterben hat Polens Wasserbehörde nach eigenen Angaben 282 Abwasserabflüsse ohne aktuelle wasserrechtliche Genehmigung entdeckt. Es werde derzeit geklärt, von wo aus diese Leitungen zur Oder gelegt wurden und wem sie gehören, sagte der designierte neue Chef der Wasserbehörde, Krzysztof Wos, am Dienstag.


Bildnachweis: © Patrick Pleul/dpa
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