Von dem Anschlag auf die Krone mit Kuchen und Vanillesoße war knapp 24 Stunden später nicht mehr viel zu sehen. Die Protestaktion einer kleinen Gruppe im Herzen des Tower of London, wo die wertvollsten Stücke der Königsfamilie ausgestellt sind, wirkte im Vereinigten Königreich aber nach. Symbolischer können Aktivisten kaum gegen Reichtum und Ungleichheit demonstrieren. Am Samstagmorgen, kurz nach der Öffnung der Ausstellung, hatten zwei Aktivisten inmitten der Touristen plötzlich Kuchen (Crumble) und Soße ausgepackt - und auf die Vitrine der Imperial State Crown verteilt. Die Gruppe «Take Back Power» veröffentlichte am Mittag auf der Plattform Instagram ein Video der Aktion. «Democracy has crumbled», in etwa: Die Demokratie ist zusammengebrochen, schrieben sie dazu. Die Polizei teilte mit, vier Personen seien wegen des Verdachts der Sachbeschädigung verhaftet worden. Die Räumlichkeiten wurden zeitweise für die Ermittlungen geschlossen, waren dann aber wieder für alle Besucherinnen und Besucher zugänglich. Beschädigt wurden die Kronjuwelen bei der Aktion nicht. Das Video legt nahe, dass es den Aktivisten auch nicht um Zerstörung ging. «Milliardäre kaufen sich politischen Einfluss, während obdachlose Menschen auf der Straße sterben», schrieb die Gruppe auf Instagram. Sie fordert unter anderem die Besteuerung der Reichen. Großbritannien sei wegen der «Superreichen» kaputt, schrieb die Gruppe. Kurzzeitig konnten die beiden Aktivisten ihre Botschaft neben der Vitrine auch aussprechen. In dem Video ist im Hintergrund ein «excuse me» («Entschuldigung?!») einer Sicherheitskraft zu hören, die dann in ein Funkgerät spricht. Die Aktivistengruppe beschreibt sich selbst als gewaltfreie zivile Widerstandsbewegung. Ihren Angaben zufolge filmten die beiden anderen dann verhafteten Personen die Aktion. Der Wert der Kronjuwelen und insbesondere auch der State Crown für das Vereinigte Königreich ist nicht zu beziffern - sie sind unbezahlbar. Die State Crown wird von der Monarchin oder dem Monarchen nach der Krönung getragen und auch bei anderen feierlichen Anlässen verwendet, darunter die Eröffnung des Parlaments. Die Krone wurde 1937 angefertigt und ist mit 2.868 Diamanten, 17 Saphiren, 11 Smaragden, 269 Perlen und 4 Rubinen besetzt. Die Staatsministerin für Polizei, Sarah Jones, schrieb auf der Plattform X von einem skandalösen Vorfall. «Es gibt einen klaren Unterschied zwischen dem demokratischen Recht auf Protest und inakzeptablem Verhalten», schrieb sie. Von König Charles III., der die Krone zuletzt trug, gab es keine Reaktion auf den Kuchenanschlag. Jones schrieb, sie sei dankbar für das schnelle Eingreifen der Polizei und die Ermittlungen. Die Polizei war um kurz vor zehn Uhr britischer Zeit zu der weltberühmten Ausstellung gerufen worden. In der Touristenattraktion gelten eigentlich hohe Sicherheitsstandards, Besucherinnen und Besucher müssen eine Einlasskontrolle passieren. Jährlich besuchen Millionen Menschen den Tower of London, ein Ticket für Erwachsene kostet gut 40 Euro. Die Kronjuwelen sind der Höhepunkt der Ausstellung - und seit Jahrhunderten Gegenstand von Mythen und Erzählungen. Sie werden seit 1661 im Tower aufbewahrt und ausgestellt.Keine Anzeichen für Ausschreitungen
Ermittlungen der Polizei
Bildnachweis: © Take Back Power/PA Media/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Kuchenprotest im Tower: Aktivisten attackieren Kronjuwelen
Mit Kuchen und Vanillesoße gegen «Superreiche»: Aktivisten protestieren im Tower of London mit einem öffentlichkeitswirksamen Anschlag auf die Kronjuwelen. Die Polizei ist schnell vor Ort.
Meistgelesene Artikel
- 16. April 2026
Rückruf von Dattel-Kugeln ausgeweitet
Betroffen ist ein Artikel des Hamburger Snackunternehmens Foodloose. Kunden sollten vom Verzehr absehen, wenn die Verpackung eine bestimmte Chargennummer trägt.
- 15. April 2026
Erneute Auszeichnung für drei starke Innungsbetriebe
Drei Betriebe aus dem Bereich des Lebensmittelhandwerks dürfen sich erneut über eine besondere Anerkennung freuen: Die...
- 4. Mai 2026
Save the Date: Goldener Kamm in Gütersloh
Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...
Neueste Artikel
Nach 40 Tagen an Bord ihres Kreuzfahrtschiffs sollen die Passagiere der «Hondius» nach der Ankunft in Teneriffa in ihre Heimatländer geflogen werden. Die Niederlande kümmern sich um die Deutschen.
Schon im Mai sind Deutschlands Ressourcen für 2026 rechnerisch verbraucht. Der Kern des Problems: Deutschland setzt immer noch zu viel auf Öl, Gas und Kohle, wie Umweltverbände kritisieren.
Weitere Artikel derselben Kategorie
Nach 40 Tagen an Bord ihres Kreuzfahrtschiffs sollen die Passagiere der «Hondius» nach der Ankunft in Teneriffa in ihre Heimatländer geflogen werden. Die Niederlande kümmern sich um die Deutschen.
Schon im Mai sind Deutschlands Ressourcen für 2026 rechnerisch verbraucht. Der Kern des Problems: Deutschland setzt immer noch zu viel auf Öl, Gas und Kohle, wie Umweltverbände kritisieren.





