15. Februar 2022 / Aus aller Welt

Hunderte trauern um getöteten Polizisten

Zwei Wochen nach den Todesschüssen auf zwei Polizisten in der Pfalz kommen Hunderte zur Beisetzung des jungen Kommissars. Am Rande der Trauerfeier wird mehr Respekt für Einsatzkräfte eingefordert.

Trauergäste, darunter viele Polizisten, stehen am Grab bei der Beisetzung des Polizisten in Freisen.
Veröffentlicht am 15. Februar 2022 um 17:00 Uhr von Wolfgang Jung und Birgit Reichert, dpa

Mit einer ergreifenden Trauerfeier haben Angehörige, Politiker und Kollegen bewegt Abschied genommen von einem vor zwei Wochen bei Kusel erschossenen Polizisten.

Mehr als 2500 Menschen gaben dem 29 Jahre alten Kommissar am Dienstag im saarländischen Freisen das letzte Geleit. «Alle sind erschüttert von der äußersten Brutalität der Tat», sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz. Es sei ein trauriger und schwerer Tag. Man wolle dem getöteten Polizisten zeigen: «Wir gehen diesen letzten Weg mit dir.»

Große Anteilnahme in Freisen

Der Polizist und eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin waren am 31. Januar bei einer Fahrzeugkontrolle bei Kusel (Westpfalz) erschossen worden. Als mutmaßliche Täter sitzen zwei Männer wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord in Untersuchungshaft. Die Tat hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter Jagdwilderei verdecken wollten. Die Polizeianwärterin wird an diesem Mittwoch im saarländischen Homburg-Erbach beigesetzt.

In Freisen kam die Trauergemeinde zunächst in einer Kirche zu einem nicht öffentlichen Gottesdienst zusammen. «Für uns waren die beiden nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde und Vertraute und vieles mehr», sagte Polizeipräsident Michael Denne spürbar bewegt. Die Polizei erreiche eine Welle der Solidarität, etwa durch Kondolenzen aus vielen Ländern. «Das zeigt, dass wir nicht allein sind». Vor der Kirche lagen zahlreiche Blumen und standen Kerzen als stiller Gruß.

Da die Kirche St. Remigius zu klein war für die vielen Trauergäste, kamen in einer nahen Halle zusätzlich rund 500 Menschen zusammen. Sie folgten dem Gottesdienst per Video. Vor der Halle in dem Ort mit rund 7000 Einwohnern versammelten sich zudem Hunderte Menschen und wohnten der Messe dort per Tonübertragung bei.

«Wir müssen stärker jene schützen, die uns schützen», sagte Landrat Udo Recktenwald am Rande der Trauerfeier. Die Gesellschaft müsse sich wieder bewusster machen, wie herausfordernd der Polizeiberuf sei. «Wir werden nicht jede Tat verhindern können, weil wir nicht in die Untiefen der menschlichen Seele blicken können. Trotzdem brauchen wir Menschen, die den Mut haben, diesen Beruf zu ergreifen», meinte der CDU-Politiker. Gegen hämische Internet-Kommentare nach der Tat müsse der Staat mit Härte vorgehen. «Das ist kein Kavaliersdelikt.»

Auch Freisens Bürgermeister Karl-Josef Scheer sagte, der Rechtsstaat müsse den Schreibern von Hasskommentaren «die Grenzen aufzeigen». «Es gibt in Freisen eine riesige Anteilnahme. Aber das Leid für Familie und Freunde kann man nicht in Worte fassen», sagte der SPD-Politiker.

Eine Ehrenwache der Polizei begleitete nach dem Gottesdienst den letzten Gang zum Grab. Die Polizei schätzte die Gesamtzahl der Trauergäste auf mehr als 2500, etwa zwei Drittel davon Uniformierte. Die Landesregierung Rheinland-Pfalz bereitet gemeinsam mit der Polizei eine offizielle Trauerfeier für die beiden Polizisten vor.

Mehr Respekt für Polizisten gefordert

Zur Untersuchung der Todesschüsse richtete das Saarland unterdessen eine länderübergreifende Ermittlungsgruppe ein. Dem Expertenteam mit Namen «Eiche» gehören acht Beamte aus dem Saarland und vier aus Rheinland-Pfalz an. Bereits zuvor hatten die Ermittler in der Pfalz zu dem Verbrechen die Sonderkommission «Veldenz» gegründet.

Landespolizeipräsident Norbert Rupp bezeichnete am Rande der Trauerfeier einen abnehmenden Respekt vor Sicherheitskräften als massives Problem. «Ich hoffe, dass nun ein kleiner Ruck durch die Gesellschaft geht.» Innenminister Lewentz (SPD) betonte, an diesem Tag denke man vor allem an die Eltern und Angehörigen des Getöteten. «Er wollte nichts anderes, als für uns da zu sein.»


Bildnachweis: © Harald Tittel/dpa
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