3. November 2022 / Aus aller Welt

«Große Sorge» um Organspende - Zahlen erholen sich kaum

Mit Sorge blicken Mediziner auf die sinkenden Zahlen der Organspenden. Um gegenzusteuern wurden die Kriterien für mögliche Spender geändert - auch in puncto Corona.

Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen am Eingang eines OP-Saales.

Die Lage für Menschen auf der Warteliste bleibt dramatisch: Nur von 710 Menschen wurden bis Ende Oktober die Organe nach dem Tod zur Transplantation freigegeben, 65 weniger als im Vorjahreszeitraum, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Donnerstag bei ihrem Jahreskongress in Frankfurt berichtete. Auch die Summe der entnommenen Organe, die für eine Transplantation gemeldet wurden, sank von 2420 auf 2178. Die DSO blickt «mit großer Sorge» auf die momentane Situation.

Im ersten Quartal hatte es einen unerwarteten Einbruch der Organspendezahlen um beinahe 30 Prozent gegeben. In den letzten Monaten habe es zwar «eine gewisse Erholung und Stabilisierung» gegeben, sagte DSO-Vorstand Axel Rahmel. «Insgesamt bleibt die Situation allerdings insbesondere für die Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten und ihre Angehörigen im höchsten Maße bedrückend.» Gründe für den Rückgang sind laut DSO die Belastung des Gesundheitssystems durch die Pandemie und der Personalmangel in vielen Kliniken.

Spenden auch mit Corona möglich

Weil eine Übertragung bei sorgfältiger Auswahl nahezu ausgeschlossen ist, dürfen inzwischen auch die Organe von corona-positiven Spendern transplantiert werden. Seit das möglich ist, gab es 39 Spender mit Corona-Infektion in Deutschland. Ihnen wurden 114 Organe entnommen, wie die DSO berichtete. «Es ist dabei nicht zu einer einzigen Übertragung einer SARS-CoV-2-Infektion vom Spender auf den Empfänger gekommen», sagte Rahmel der dpa.

Zuerst waren Corona-Positive, Kontaktpersonen von Infizierten und Rückkehrer aus Risikogebieten von einer Organspende ausgeschlossen. Dann aber zeigten laut DSO Erfahrungen aus dem Ausland, dass das Übertragungsrisiko geringer war als befürchtet. In vielen Ländern seien die Kriterien daraufhin gelockert worden. «Tatsächlich sind bislang nur sehr wenige Fälle bekannt geworden, bei denen es eine Übertragung vom Spender auf den Empfänger gab - und diese auch nur im Zusammenhang mit einer Lungentransplantation», sagte Rahmel.

Im Mai 2022 haben Bundesärztekammer und Deutsche Transplantationsgesellschaft auch für Deutschland die Akzeptanzkriterien für Spender angepasst. Ausgeschlossen sind nun nur noch Organspender mit einem schweren Verlauf, bei denen die Organe so geschädigt sind, dass sie für eine Transplantation nicht mehr geeignet sind. Bei Lungentransplantationen gilt laut Rahmel weiterhin «äußerste Zurückhaltung».

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht auch die Politik in der Pflicht. Das neue Gesetz werde nicht umgesetzt, sagte Vorstand Eugen Brysch der dpa. Die Bevölkerung werde nicht, wie vorgesehen, gezielter angesprochen, und auch das geplante Register für Spendewillige sei noch in weiter Ferne. «Wir müssen die Instrumente nutzen, die wir haben», sagte Brysch.


Bildnachweis: © Soeren Stache/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Alkoholisierter Jugendlicher verursacht Unfallserie
Polizeimeldung

Am Samstagnachmittag, 12.11.2022

weiterlesen...
Kollision zweier Güterzüge - Wichtige Bahnstrecke gesperrt
Aus aller Welt

Ein Güterzug fährt auf einen stehenden Zug auf, explosives Propangas tritt aus: Menschen im Raum Gifhorn müssen laut Feuerwehr keine Gefahr fürchten. Aber der Unfall trifft den Bahnverkehr hart.

weiterlesen...
Banksy-Werke in der Ukraine: Ein Judoka gegen Putin
Aus aller Welt

Mehrmals schon ist Banksy in Krisengebieten aktiv geworden. Nun hat er mehrere Werke in der Ukraine hinterlassen. In dem kriegsgeplagten Land stößt sein Besuch auf Begeisterung.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Wie rassistisch sind die Royals? Debatte um neuen Vorfall
Aus aller Welt

Es war ein großer Aufreger: In ihrem TV-Interview mit Oprah Winfrey warf Herzogin Meghan der britischen Königsfamilie Rassismus vor. Das Thema geriet in Vergessenheit. Nun ist es mit einem Schlag zurück.

weiterlesen...
Lok geborgen: Bahnstrecke Hannover-Berlin früher wieder frei
Aus aller Welt

Die Bergungsarbeiten nach einem Unfall mit zwei Güterzügen in Niedersachsen sind abgeschlossen. Züge können auf der wichtigen Strecke früher wieder fahren - aber vieles muss noch repariert werden.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Wie rassistisch sind die Royals? Debatte um neuen Vorfall
Aus aller Welt

Es war ein großer Aufreger: In ihrem TV-Interview mit Oprah Winfrey warf Herzogin Meghan der britischen Königsfamilie Rassismus vor. Das Thema geriet in Vergessenheit. Nun ist es mit einem Schlag zurück.

weiterlesen...
Lok geborgen: Bahnstrecke Hannover-Berlin früher wieder frei
Aus aller Welt

Die Bergungsarbeiten nach einem Unfall mit zwei Güterzügen in Niedersachsen sind abgeschlossen. Züge können auf der wichtigen Strecke früher wieder fahren - aber vieles muss noch repariert werden.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner