7. August 2021 / Aus aller Welt

Polizei warnt vor Enkeltrick - Betrüger erbeuten «Unsummen»

Immer wieder informiert die Polizei über den sogenannten Enkeltrick. Dennoch fallen jedes Jahr viele auf die Betrugsmasche rein. Eine Abwandlung des Tricks hat es besonders in sich.

Beim Enkeltrick geben Betrüger sich als Verwandte oder Polizisten aus und fordern große Summen Geld.

«Das ist ja schön blöd. Mir würde sowas nicht passieren.» Solche Sätze hört Jürgen Schirrmeister auf seinen Präventionsveranstaltungen häufiger.

Schirrmeister sitzt im Polizeipräsidium in Potsdam. Er leitet dort die Präventionsabteilung. Ein Phänomen, das dort häufig aufläuft: der Enkeltrick oder auch «Schockanruf», wie die Ermittler die bei Betrügern beliebte Masche nennen. Die Opfer: Nach Polizeiangaben sind das hauptsächlich ältere Menschen. Viele von ihnen fallen doch noch auf die Betrugsmasche rein.

Beim Enkeltrick oder dem «Schockanruf» rufen Betrüger ahnungslose Menschen an, geben sich als Verwandte oder Polizisten aus und fordern große Summen Geld - per Überweisung oder bar an eine Übergabeperson.

Deutlicher Anstieg der Fälle

118 Betrugstaten registrierte die Polizei im Jahr 2020, wie das Präsidium in Potsdam auf Anfrage mitteilte. Zwar blieb es laut der Behörde in 95 Fällen beim Versuch. Dennoch erbeuteten die Täter rund 540.000 Euro.

Hinzu kommen 634 Taten mit einer Schadenssumme von rund 212.000 Euro, die nicht in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst worden sind, da der Tatort beziehungsweise der Handlungsort, also der Ort, wo der Täter zum Hörer greift, nicht in Brandenburg verortet werden konnte. Das waren 439 Fälle mehr als im Jahr 2019. Die Polizei spricht von einem «deutlichen Anstieg».

Die Aufklärungsrate: Sie geht gegen null. «Ist das Geld einmal aus der Hand gegeben oder überwiesen, ist es definitiv verloren», sagt Schirrmeister. In aller Regel agierten die Täter in Banden. Die Anrufer säßen in Callcentern, von denen aus sie anriefen. Die Nummern, die sie wählen, stammten häufig aus dem Telefonbuch. Sie suchten dort nach älteren Vornamen. Auf den Info-Verstaltungen von Schirrmeister und den Kolleginnen und Kollegen fragt er daher häufig: «Müssen Sie wirklich noch im Telefonbuch stehen? Vielleicht kann zumindest der Vorname raus?»

Polizei: Niemals Geld an Fremde überweisen

Daneben rät Schirrmeister: «Lassen Sie sich vom Anrufer nicht unter Druck setzen! Wenn Ihnen etwas merkwürdig vorkommt, legen Sie auf! Rufen Sie die Polizei unter der 110 an und nutzen Sie dabei nicht die Rückruffunktion! Oder rufen Sie Ihre angeblich in Schwierigkeiten befindlichen Familienangehörigen an! Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre Vermögensverhältnisse! Und das Wichtigste: «Übergeben oder überweisen Sie niemals fremden Leuten Geld!»

Neben den Info-Tagen bei Seniorenvereinen informiert die Polizei auch Bankmitarbeiterinnen und -mitarbeiter zu dem Trickbetrug. Sie sollten aufmerksam sein, wenn ältere Menschen große Summen Geld abheben.

Aber noch eine andere Masche macht Schirrmeister Sorgen. Das sogenannte Love- oder Romance-Scamming (zu deutsch etwa: «Liebes- oder Romantik-Betrug»). Täter gaukeln hier die große Liebe vor, schicken ihren Opfern eine Zeit lang Bilder, nette Worte per Nachricht oder am Telefon. Am Ende sitzen die Betroffenen alleine da, mitunter um viel Geld ärmer.

Schirrmeister berichtet von einem Fall, bei dem ein Grundstückskauf geplant war. «Es ging um die gemeinsame Zukunft in Amerika. Da gingen Unsummen über den Tisch.» Auf den Trick fielen nicht nur ältere Menschen rein. «Die große Liebe wird versprochen, das ist ja für die Opfer emotional eine absolut schlimme Masche.»


Bildnachweis: © Daniel Karmann/dpa
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