1. März 2026 / Aus aller Welt

Steigende Klimaanlagen-Nutzung kann Klimawandel verschärfen

Klimaanlagen sollen Menschen vor Hitze schützen. Doch sie verbrauchen selbst viel Energie - und könnten die Erderwärmung damit verstärken.

Klimaanlagen an der Hauswand des Wirtschaftsministeriums in Neu Delhi.
Veröffentlicht am 1. März 2026 um 04:30 Uhr von dpa

Die zunehmende Nutzung von Klimaanlagen könnte den weltweiten Treibhausgasausstoß bis Mitte des Jahrhunderts stark ansteigen lassen. Einer Studie zufolge könnte sie im ungünstigsten Szenario bis zum Jahr 2050 etwa 8,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO2) entsprechen. Zum Vergleich: Die derzeitigen gesamten jährlichen Treibhausgasemissionen der USA betragen 5,9 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente. Der hohe Energieverbrauch von Klimaanlagen könnte so den Klimawandel weiter ankurbeln, schreibt eine Forschungsgruppe um Yuli Shan von der University of Birmingham im Fachjournal «Nature Communications».

Der Klimawandel erhöht die globalen Durchschnittstemperaturen und auch die Häufigkeit von Hitzewellen. Um sich vor extremen Temperaturen zu schützen, nutzen immer mehr Menschen eine Klimaanlage in ihrer Wohnung. Auch Büros, Fabrikhallen und Werkstätten werden zunehmend damit ausgerüstet.

Shan und Kollegen kombinierten nun verschiedene Datensätze und Modelle, um die globale Entwicklung der klimaschädlichen Auswirkungen von Klimaanlagen besser abzuschätzen - darunter fünf Emissionsszenarien, die der Weltklimarat (IPCC) für seine Sachstandsberichte verwendet.

Nicht nur die Erderwärmung sorgt für mehr Klimaanlagen

Die Studienautoren zeigen auf, dass sich die gesamten Emissionen von 2010 bis 2050 auf 113,3 Milliarden CO2-Äquivalente summieren könnten – und zwar bei einem mittleren Szenario (SSP2-4.5), bei dem der Treibhausgasausstoß in den kommenden Jahren deutlich reduziert wird. Bei dieser Prognose entsprächen die durch Klimaanlagen entstehenden CO2-Äquivalente einer zusätzlichen Erwärmung von etwa 0,05 Grad Celsius.

Dabei gehen die Forscher davon aus, dass nur 8,3 Prozent des Wachstums der Emissionen durch Klimaanlagennutzung auf zusätzlichen Kühlungsbedarf durch den Klimawandel zurückgeht. «Gleichzeitig ermöglicht das Wirtschaftswachstum in einigen der am stärksten betroffenen Länder immer mehr Menschen, sich mit Klimaanlagen vor extremer Hitze zu schützen», wird Shan in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Besonders hoch ist der Kühlungsbedarf im Jahr 2050 demnach in Süd- und Mittelamerika, Südostasien, Indien sowie in großen Teilen von Afrika südlich der Sahara.

Gefahren durch austretende Kühlmittel

Im mittleren Emissionsszenario werden die Treibhausgasemissionen durch Klimaanlagen von 1,3 Milliarden CO2-Äquivalente im Jahr 2010 auf 3,8 Milliarden Tonnen im Jahr 2050 steigen. Beim ungünstigsten Szenario (SSP5-8.5) sind es sogar 8,5 Milliarden Tonnen. Den größten Anteil am Ausstoß klimaschädlicher Gase hat die Erzeugung von Elektrizität mit fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdöl und Erdgas.

Doch auch die in den Anlagen genutzten Kühlmittel haben meist ein hohes Treibhausgaspotenzial, das aber nur dann wirksam wird, wenn sie durch ein Leck in die Umwelt gelangen. Die Studienautoren rechnen damit, dass es mit dem Betrieb von mehr Klimaanlagen auch häufiger zu solchen Leckagen kommen wird.

Passive Kühlungsstrategien könnten Energie für Klimaanlagen sparen

Wenn der Strom zunehmend durch erneuerbare Energien erzeugt wird, könnten ausgetretene Kühlmittel im Jahr 2050 bis zu 60 Prozent der CO2-Äquivalente ausmachen, die in Zusammenhang mit Klimaanlagen freigesetzt werden, heißt es. «Die Welt muss rasch auf sauberere und effizientere Kühltechnologien umsteigen – und dabei einen gerechten Zugang zu Kühlung gewährleisten, insbesondere für gefährdete Bevölkerungsgruppen», betont Shan.

Passive Kühlungsstrategien könnten bis zu 20 Prozent der Energie zum Betrieb von Klimaanlagen einsparen. Dazu zählen die Beschattung von Räumen durch Roll- und Fensterläden sowie große Dachüberstände, Wärmedämmung, helle Oberflächen, die Sonnenlicht reflektieren, und Dach- und Fassadenbegrünung.


Bildnachweis: © Soeren Stache/dpa
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