Tausende Menschen haben in Frankreich landesweit gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen demonstriert. Die Gewerkschaft CGT sprach von 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei den Kundgebungen am Samstag, darunter 80.000 in Paris. Die Polizei schätzte die Zahl der landesweiten Demonstranten auf 20.000, wie der Sender France Info berichtete. Die Demonstrationen stehen in Zusammenhang mit dem Prozess um hundertfache Vergewaltigung in Südfrankreich, der in diesen Tagen zu Ende gehen soll. Hauptangeklagter ist Dominique Pelicot, der laut Anklage seine damalige Frau Gisèle Pelicot fast zehn Jahre lang mit Medikamenten betäubt, missbraucht und anderen Männern zur Vergewaltigung angeboten hat. Er gestand vor Gericht. Neben ihm sind 50 weitere Männer angeklagt. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft. Der Prozess in Avignon hat in Frankreich eine Schockwelle ausgelöst. Der Ruf nach einem besseren Schutz von Frauen wurde laut. Der Fall hat zudem die Debatte um «Ja heißt Ja» wieder aufflammen lassen. Aktivistinnen und Aktivisten fordern seit Langem, dass in sexuelle Handlungen ausdrücklich eingewilligt werden müsse und dies im Strafrecht festgeschrieben werden solle. Dann könnten mutmaßliche Täter sich vor Gericht nicht damit herausreden, von der fehlenden Einwilligung nicht gewusst zu haben. Die französische Nationalversammlung beschäftigt sich derzeit mit einem entsprechenden Vorschlag zur Gesetzesänderung mit Blick auf die Definition sexueller Gewalt. Zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am Montag (25. November) sind auch in zahlreichen deutschen Städten Protestaktionen geplant. Unter anderem soll es eine Kundgebung am Brandenburger Tor in Berlin mit Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) als Rednerin geben. Zuletzt hatte Paus zusammen mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser und dem Bundeskriminalamt Zahlen vorgestellt, wonach immer mehr Frauen in Deutschland von Gewalt betroffen sind. Besonders schwerwiegend sind versuchte und vollendete Tötungsdelikte, die sich explizit gegen das weibliche Geschlecht richten - sogenannte Femizide. Im Jahr 2023 wurden 938 Mädchen und Frauen Opfer von versuchten oder vollendeten Femiziden. 360 Frauen und Mädchen starben dabei. «Trotz dieser alarmierenden Zahlen sind Frauenhäuser und Beratungsstellen in Deutschland weiterhin unterfinanziert», hieß es vor dem Aktionstag in einem gemeinsamen Statement der Linken-Chefin Ines Schwerdtner und der Vorsitzenden der Bundestagsgruppe die Linke, Heidi Reichinnek. Die Häuser seien chronisch überbelegt, und viele Frauen würden keinen sicheren Zufluchtsort finden. «Niemand darf im Stich gelassen werden! Frauenhäuser dürfen kein Luxus sein: Der Aufenthalt muss kostenlos für die Betroffenen sein.» Auch die Bundesinnenministerin äußerte sich. «Hinschauen, zuhören, eingreifen, Gewalt gegen Frauen niemals akzeptieren: Das ist nicht nur die Aufgabe von Polizei und Justiz, sondern von uns allen», erklärte Faeser. «Wir brauchen mehr Härte gegen die Täter und mehr Aufmerksamkeit und Hilfe für die Opfer.» Neben harten Strafen forderte sie verpflichtende Anti-Gewalt-Trainings und elektronische Fußfesseln, damit die Täter «ihr Verhalten tatsächlich ändern».«Ja heißt Ja» soll im Strafrecht festgeschrieben werden
Aktionen in Deutschland am Montag geplant
Ministerin fordert mehr Hilfe für die Opfer
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Tausende demonstrieren gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen
Die hundertfache Vergewaltigung von Gisèle Pelicot hat in Frankreich eine Schockwelle ausgelöst. Tausende demonstrieren gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen - und fordern eine Gesetzesänderung.
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