25. Juni 2021 / Aus aller Welt

Tote und viele Verletzte nach Tornado in Tschechien

Ein schweres Unwetter hat in Tschechien eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die Rettungskräfte suchten am Freitag weiter nach möglichen Verschütteten.

Ein mutmaßlicher Tornado hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen.
Veröffentlicht am 25. Juni 2021 um 16:34 Uhr von Michael Heitmann, dpa

Ein schweres Unwetter mit einem Tornado hat im Südosten Tschechiens mindestens fünf Menschen getötet. Das teilten Polizei und Rettungsdienste mit.

Rund 200 Menschen wurden verletzt, davon mussten 83 mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Der Tornado hatte Donnerstagabend sieben Dörfer in der Region Südmähren verwüstet. Hunderte Häuser wurden zerstört, Dächer abgedeckt, Stromleitungen niedergerissen und Autos umhergeschleudert.

Die Suche nach möglichen Verschütteten dauerte an. Hunderte Feuerwehrleute gingen in den zerstörten Gemeinden von Haus zu Haus. Auch Spürhunde halfen bei der Suche. Aus anderen Teilen des Landes machte sich weitere Verstärkung auf den Weg. Die Armee schickte Soldaten mit schwerer Technik.

Viele Einwohner der betroffenen Gemeinden standen unter Schock. «Auf einmal habe ich ein merkwürdiges Dröhnen gehört, als ob ein Zug näherkommen würde», sagte ein Augenzeuge der Zeitung «Pravo». «Dann begann die Hölle, alles flog herum.» Sein Haus habe kein Dach mehr, keine Zimmerdecke, keine Fenster, berichtete ein anderer. Bis zu 600 Gebäude sind nach Ansicht der Behörden abrissreif.

Regierung verspricht schnelle finanzielle Hilfe

Der tschechische Innenminister Jan Hamacek machte sich vor Ort ein Bild von der Lage. Er sprach von einer «gewaltigen Katastrophe». Am Nachmittag traf auch Ministerpräsident Babis ein, der in Brüssel bei einem EU-Gipfel gewesen war. Die Regierung versprach schnelle finanzielle Hilfe für die Betroffenen, von denen viele das Dach über dem Kopf verloren haben. Die Region an der Grenze zu Österreich ist als Weinanbaugebiet bekannt und auch bei Touristen beliebt.

Augenzeugen berichteten von einer Schneise der Verwüstung. Der Wetterdienst CHMU bestätigte später, dass es sich um einen Tornado gehandelt habe. In Tschechien gilt das als seltene Erscheinung, den letzten Tornado gab es vor drei Jahren.

Der stellvertretende Bürgermeister der stark betroffenen Gemeinde Hrusky, Marek Babisz, berichtete, dass der halbe Ort dem Erdboden gleichgemacht worden sei. «Geblieben sind nur die Mauern, ohne Dach, ohne Fenster», sagte er der Agentur CTK. Die Menschen hätten sich vor dem Unwetter nicht schützen können. «Hier herrscht großes Chaos, große Panik», sagte ein Augenzeuge in Luzice dem Fernsehen.

«Großes Chaos, große Panik»

Viele Häuser sollen einsturzgefährdet sein. Die Polizei sperrte die Zufahrtswege zu mehreren Orten, um Schaulustige fernzuhalten. Schnelle Hilfe kam aus dem benachbarten Ausland: Österreich schickte 20 Krankenwagen und 2 Rettungshubschrauber, auch die benachbarte Slowakei entsandte mehrere Rettungswagen.

Den ganzen Abend über und bis in die Nacht hinein waren schwere Sommergewitter durch Südmähren gezogen. Die Notrufleitungen waren überlastet. Rund um die Städte Breclav und Hodonin fielen Hagelkörner von der Größe von Tennisbällen. Am Schloss Valtice, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, entstand Millionenschaden. An dem Bau aus dem 17. Jahrhundert barsten zahlreiche Fensterscheiben.

Die Autobahn D2, die von Brünn (Brno) nach Breclav und weiter in die Slowakei führt, war stundenlang nicht befahrbar. Eine Hochspannungsleitung war auf die Fahrbahn gestürzt. Am Morgen konnte eine Fahrspur freigegeben werden, es kam zu Staus. Landesweit waren noch rund 75.000 Haushalte ohne Elektrizität.

Schäden auch in Österreich

Auch im benachbarten Österreich richteten Hagelunwetter nach Angaben der Agentur APA schwere Schäden an. In Ober- und Niederösterreich sei allein in der Landwirtschaft ein Schaden von 28 Millionen Euro zu beklagen, erklärte demnach ein Sprecher der Hagelversicherung. Tennisballgroße Hagelkörner zerstörten zudem Hunderte von Dächern und beschädigten zahlreiche Autos. Die Dächer seien regelrecht durchlöchert worden, hieß es. Mehr als 1600 Feuerwehrleute waren im Einsatz.


Bildnachweis: © Šálek Václav/CTK/dpa
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