30. Dezember 2021 / Aus aller Welt

Maddies Schicksal ungewiss - Droht ein weiterer Prozess?

Seit Mitte 2020 ist zwar klar, dass im Fall Maddie ein Deutscher im Visier der Ermittler ist. Der Tatverdächtige steht seither aber wegen anderer Delikte im Fokus.

Kate und Gerry McCann, Eltern der verschwundenen Maddie, bei einem Such-Aufruf im Jahr 2012.
Veröffentlicht am 30. Dezember 2021 um 09:22 Uhr von Christian Brahmann und Christoph Meyer, dpa

Der Zeugenaufruf zu einem Verdächtigen im Fall Maddie galt als echter Hoffnungsschimmer.

Aber eineinhalb Jahre nach der Bekanntgabe, dass die Ermittler einen Deutschen im Visier haben, ist der vorbestrafte Sexualverbrecher zwar mehrfach in den Fokus geraten - eine wesentliche Entwicklung zu der seit 2007 verschwundenen Madeleine McCann gibt es aber nicht. Zu einem anderen schweren Vorwurf gegen den 45-jährigen Mann könnte es aber bald Aufschluss geben.

Denn die Staatsanwaltschaft Braunschweig hofft, dass sie Ermittlungen zur mutmaßlichen Vergewaltigung einer Irin im Jahr 2004 Anfang kommenden Jahres abschließen kann, wie Behördensprecher Hans Christian Wolters der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Mit welchem Ergebnis wird man dann sehen», sagte Wolters mit Blick auf Berichte, in denen über eine Anklage und einen öffentlichen Prozess spekuliert wurde.

Verdächtiger in Haft

Derzeit sitzt der Verdächtigte in einem niedersächsischen Gefängnis eine mehrjährige Haftstrafe für die Vergewaltigung einer 72-jährigen US-Amerikanerin im Jahr 2005 im portugiesischen Praia da Luz ab. Rund anderthalb Jahre nach dieser Tat verschwand die damals dreijährige Madeleine McCann aus einer Apartment-Anlage in der Nähe. Seitdem fehlt von ihr jede Spur.

Erst die Berichterstattung aus dem Gerichtsverfahren wegen der Vergewaltigung der älteren Dame aus den USA brachte die Irin auf die Spur ihres mutmaßlichen Peinigers. Über ihre Vergewaltigung 2004 sagte sie dem «Guardian» im Juni 2020: «Ich hatte in den vergangenen 16 Jahren wenig Hoffnung, dass sie den Mann finden würden, der das getan hat.» Stattdessen sei ihr geraten worden zu schweigen, um der Region nicht noch mehr zu schaden und Touristen zu vertreiben.

Doch dann habe sie von dem Schicksal der Amerikanerin gelesen. «Ich war völlig überwältigt, als ich las, wie er die Frau 2005 angegriffen hatte, sowohl über die Taktik und die Methoden, die er benutzte, als auch über die Werkzeuge, die er bei sich hatte und wie genau er das geplant hatte.» Sie habe sich beim Lesen übergeben müssen, «weil es mich direkt wieder zu meiner Erfahrung transportiert hat», fuhr sie fort.

Später erhob sie schwere Vorwürfe gegen die portugiesischen Ermittler: «Ich denke, wenn die ihren Job richtig gemacht hätten beim Ermitteln, was mir geschehen ist und das wirklich derselbe Mann ist, der die Amerikanerin angriff und Madeleine McCann entführt hat, hätten sie die Attacke auf sie verhindern können und Madeleine wäre jetzt zuhause bei ihren Eltern.»

Zwei weitere Verfahren

In Braunschweig wird gegen den Mann noch in zwei weiteren Verfahren ermittelt. Dabei geht es um sexuellen Missbrauch von Kindern in zwei Fällen, wie Staatsanwalt Wolters sagte. Für beide Stränge gelte aber, dass die Untersuchungen andauern und nähere Angaben darüber hinaus nicht möglich seien.

Ähnlich äußert sich Wolters seit vielen Monaten mit Blick auf das ungeklärte Schicksal von Maddie. «Die Sachlage ist im Wesentlichen unverändert», sagte er. Im Hintergrund laufen ihm zufolge Ermittlungen unverändert weiter, Details dazu werden aber nicht genannt. Zu Vorwürfen mit Bezug zu Madeleine McCann habe sich sein Mandant bisher nicht geäußert, sagte einer seiner Verteidiger der dpa.

Die Eltern des Mädchens hatten im vergangenen Jahr betont, dass sie die Hoffnung auf ein Wiedersehen immer noch nicht aufgegeben haben. 2021 wollten sie eigentlich den 18. Geburtstag ihrer Tochter feiern.


Bildnachweis: © John Stillwell/PA Wire/dpa
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