21. November 2025 / Kreis Gütersloh

Der Käfer ist unschuldig

Gütersloh. So schrecklich sein Wirken in der Natur, so ästhetisch sind seine Fraßspuren nun im Kreishaus Gütersloh....

Veröffentlicht am 21. November 2025 um 10:34 Uhr von Jan Focken

Gütersloh. So schrecklich sein Wirken in der Natur, so ästhetisch sind seine Fraßspuren nun im Kreishaus Gütersloh. Landrätin Ina Laukötter eröffnete am Donnerstagabend die Ausstellung der Künstlerin Sigrid Engel im Kreishaus Gütersloh. Unter dem Titel „Der Käfer ist unschuldig“ widmet sich die Künstlerin einem Thema, das sie seit Jahren intensiv erforscht: den Bäumen, ihren Strukturen – und dem Phänomen des Borkenkäfers. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Kreis Gütersloh realisiert wurde, ist noch bis zum 18. Dezember im Foyer des Kreishauses zu sehen. Zwei Mal im Jahr zeigen Kreis und Kunstverein im Foyer, wie vielfältig das künstlerische Schaffen im Kreis ist.

Laukötter betonte, wie bedeutsam die Kunst in einem Gebäude sei, in dem viele Menschen täglich zusammenkommen, und gar nicht geplant hätten, mit Kunst in Berührung zu kommen. „Und genau deshalb ist Kunst hier so wichtig. Manchmal müssen wir den Menschen die Kunst buchstäblich in den Weg stellen. Nicht laut, nicht erklärend – einfach da, mitten im Alltag.“ Sie dankte der Künstlerin „für Ihren Blick auf die Natur – auf das, was in ihr geschieht und was wir oft übersehen.“ Und Laukötter wandte sich bei ihrer ersten Ausstellungseröffnung als Landrätin an den Kunstverein, dessen Vorsitzender Friedrich Wilhelm Schröder anwesend war, und bedankte sich für die inspirierende Zusammenarbeit. 

Dr. Silvana Kreyer, Kulturjournalistin und Mitglied im Vorstand des Kunstvereins Kreis Gütersloh, führte in die Ausstellung ein. Sigrid Engel arbeitet seit zehn Jahren im Atelier der Alten Lederfabrik in Halle/Westf.. Seit vier Jahrzehnten widmet sie sich der Malerei und verschiedenen Drucktechniken, bereichert durch eine prägende Lehrzeit bei dem Münchner Künstler Heiko Herrmann. Engel: „Der Käfer selbst ist nicht schön, umso faszinierender finde ich seine Fraßspuren.“ Dass der Käfer unschuldig sei, meine sie durchaus politisch, so Engel. Klimawandel, Monokulturen, also letzten Endes der Mensch, haben es erst ermöglicht, dass der Käfer eine solche Zerstörung anrichten konnte. Die finden sich in ihren Objekten nicht eins zu eins, sie ‚kopiert‘ die Fraßspuren mittels Schnitzmesser und Kettensäge ins Großformat. „Eine künstlerische Verarbeitung eines unsäglichen Naturphänomens“, nannte Kreyer den schöpferischen Prozess von Engel. Trotz der zerstörerischen Wirkung der kleinen Käfer kämen die ausgestellten Werke einer „Versöhnung von Kunst und Kultur gleich“.

Quelle: Kreis Gütersloh - hier Original öffnen (www.kreis-guetersloh.de)

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