25. November 2025 / Kreis Gütersloh

Soulbuddies, Michael Erichreineke und der Farmhouse Jazzclub ausgezeichnet

Gütersloh. Der Kreis Gütersloh hat zum vierten Mal den Heimat-Preis NRW vergeben. Damit würdigt er herausragendes...

von Jan Focken

Gütersloh. Der Kreis Gütersloh hat zum vierten Mal den Heimat-Preis NRW vergeben. Damit würdigt er herausragendes ehrenamtliches Engagement, das so vielfältig wie der Kreis selbst ist. Ob im Sport, bei der Feuerwehr, bei freiwilligen sozialen Diensten, in Kulturvereinen, bei Initiativen im Umwelt- oder Tierschutz oder zum Erhalt des historischen Erbes. Die Verleihung des Heimat-Preises ist eine gute Gelegenheit, Dank für die ehrenamtliche Arbeit auszusprechen und das Engagement öffentlich zu würdigen. „Was wäre unsere Heimat ohne die Menschen, die sie gestalten“, sagte Landrätin Laukötter in ihrer Begrüßung vor den Preisträgern, deren Gästen, Jurymitgliedern und Mitgliedern des Kreistags. Die Preisträger trügen mit vielen anderen dazu bei, dass der Kreis so lebenswert sei und bliebe. Sozial, historisch und kulturell – bei den diesjährigen Preisträgern ist das Engagement breit gestreut. Mit der Auszeichnung wolle der Kreis nicht nur die Verdienste würdigen, erklärte Laukötter. „Wir wollen Sie auch in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit rücken.“ 

Insgesamt 17 Vorschläge für den Heimatpreis wurden in diesem Jahr eingereicht. Sie zeigen die große Bandbreite des Engagements vor Ort. Eine Jury vergab die drei Heimat-Preise, die mit jeweils 5.000, 3.000 und 2.000 Euro dotiert sind. Das Geld für die Preise kommt vom Land NRW. Laukötter hielt die Laudatio für den Sieger, Henrika Küppers, Vorsitzende der Jury, die Laudatio bei Platz zwei und drei.

Gewinner des 1. Preises ist der Verein Soulbuddies. Der Verein wurde 2018 gegründet. Sein Ziel ist es, die Betreuungslage für Kinder und Jugendliche mit psycho-sozialen Problemen zu verbessern. Der Bedarf an psychologischer Hilfe für Jugendliche ist groß. „Die Kinder können nicht schlafen, nicht lernen oder essen. Sind erschöpft, werden gemobbt, sind teils lebensmüde, haben Probleme in der Schule, sind isoliert oder überfordert“, nannte Solveigh Disselkamp-Niewiarra von den Soulbuddies bei der Preisverleihung Beispiele für Probleme, die statistisch jedes fünfte Kind habe. „Wenn die keine Hilfe bekommen, kann aus einem Problem eine Krankheit werden.“ Gerade in ländlichen Gebieten sind die Plätze für eine psychotherapeutische Behandlung sehr knapp, so dass sich lange Wartezeiten ergeben. Genau an diesem Problem setzen die Soulbuddies an, sie lassen die Kinder nicht allein, bis diese professionelle Hilfe gefunden haben. Der Verein bietet mehrmals im Monat offene Sprechstunden an. Mehrere Betreuer stehen zwei bis drei Stunden lang persönlich, aber auch telefonisch zur Verfügung, um hilfesuchenden Kindern und Jugendlichen mit Rat und Tat beiseite zu stehen. Neben den Sprechstunden bietet der Verein auch pädagogische/psychologische Beratungen, Mädchen-, Jungen- und Jugendgruppen, psychotherapeutische Akutbehandlungen und Unterstützung bei der Suche nach einem Psychotherapieplatz an. Fast 4.000 Hilfen bot der Verein auf diese Weise im letzten Jahr an.

2. Preisträger ist das Projekt Westfalenhöfe. Seit 2018 arbeitet der Verler Michael Erichreineke – zusammen mit etwa 50 weiteren Geschichts-Enthusiasten – an dem ambitionierten Projekt, historische Daten zu alten Bauernhöfen und Häusern online in Form eines Häuserbuches bereitzustellen. „Westfalenhöfe“ ist ein offenes Projekt, bei dem die Informationen von weiteren Teilnehmern aktiv ergänzt werden können. Präsentiert werden für Höfe und Hausstätten der jeweilige Standort sowie einige Informationen – z.B. Bilder, Karten, Literatur, weitere Quellen. Das Projekt „Westfalenhöfe“ weckt das Interesse für Ortsgeschichte und damit verbundene geschichtliche oder gesellschaftliche Veränderungen. Das Projekt gibt Familienforschern zudem die Möglichkeit, herauszufinden, wo ein westfälischer Familienname seinen Ursprung hat. Das Interesse an der Höfe-Geschichte ist enorm, wie die sehr hohen Zugriffszahlen – bis zu 50.000 im Monat – zeigen.

Den 3. Preis erhält der Farmhouse Jazzclub, der schon seit 1963 besteht und damit zu den ältesten Jazzclubs in Deutschland gehört. Sein Ziel ist es laut eigener Aussage, „den authentischen Jazz als ernstzunehmende und künstlerisch wertvolle Musik zu vertreten“. An zirka 20 bis 22 Wochenenden im Jahr werden Konzerte der unterschiedlichsten Stilrichtungen des Jazz durchgeführt. Jeweils samstagabends und sonntagmittags treten im Clubhaus oder im Sommer auch im dazu gehörigen Garten Musiker aus ganz Europa auf. Im Sommer sind 200 Zuhörer an einem Wochenende durchaus keine Seltenheit. Die Organisation der Konzerte, Bewirtung der Gäste, Pflege des Clubhauses und des Gartens, Buchhaltung, Wareneinkäufe, Werbung und vieles mehr wird ausschließlich ehrenamtlich von den ca. 50 Clubmitgliedern bewältigt. Alle verbindet die Freude an der Musik, die Zusammenarbeit und die vielen guten Kontakte zu den Musikern. Gerade die Musiker schätzen den direkten Kontakt mit dem Publikum: In den letzten Jahrzehnten sind Bands und Musiker aus mehr als 25 Nationen im Harsewinkeler Jazzclub aufgetreten.

Zum Thema: ‚Nordrhein-Westfalen heimatet‘
Mit dem Heimatpreis fördert die Landesregierung solche Projekte und Vorhaben, die die lokale und regionale Identität und damit Heimat stärken. Ziel ist es, Menschen für lokale und regionale Besonderheiten zu begeistern und die positiv gelebte Vielfalt im Land NRW deutlich sichtbar werden zu lassen. Mehr als 260 Städte, Gemeinden und Kreise haben sich bereits dazu entschlossen, einen NRW-Heimat-Preis zur Würdigung des örtlichen Engagements zu vergeben.

Quelle: Kreis Gütersloh - hier Original öffnen (www.kreis-guetersloh.de)

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