Heute ist oft von Start-ups die Rede, die in einer Garage beginnen. Walter Heidbreder und Wilhelm Vinke brauchten dafür 1951 nicht einmal eine Garage: Sie starteten ihr „Möbel-Start-up“ in einer Scheune an der Fehmarnstraße in Bielefeld-Brake. Mit zwei Gesellen, handwerklichem Können und dem Mut zur Selbstständigkeit legten die beiden Schwäger dort den Grundstein für ein Unternehmen, das heute sein 75-jähriges Bestehen feiert.
Bei der Innungsversammlung am Mittwochabend im Brackweder Hof in Bielefeld würdigten Kreishandwerksmeister und Tischler-Obermeister Frank Wulfmeyer sowie Hauptgeschäftsführer Jens Uwe Pape das Jubiläum. Sie überreichten Ole Heidbreder die Jubiläums-Plakette der Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld und die Jubiläumsurkunde der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld. Wulfmeyer hob besonders hervor, dass das Unternehmen inzwischen in dritter Generation noch immer in der Hand beider Gründerfamilien liegt. „Eine solche Kontinuität ist selbst im Handwerk etwas Besonderes“, sagte Wulfmeyer. Zugleich sei Vinke + Heidbreder seit der Gründung eng mit der Tischler-Innung Bielefeld verbunden. „Umso schöner ist es, dass Ole Heidbreder diese Tradition heute mit seinem Engagement im Vorstand unserer Innung fortsetzt.“
Von der Scheune zur Möbelwerkstatt
Die Scheune in der damals alles begann gehörte der Familie Vinke. Beide Gründer brachten bereits Erfahrung aus dem Tischlerhandwerk mit: Walter Heidbreder hatte seine Ausbildung bei der Firma Gustav Wittenberg in Schildesche absolviert, Wilhelm Vinke zuvor bei der Firma Augustin in Milse gearbeitet. Über die Verbindung zur Möbelfabrik Wörmann in Herford, wo Walter Heidbreder seine Frau kennenlernte und wo Möbelserien gefertigt wurden, konnten Walter Heidbreder und Wilhelm Vinke ihre ersten Möbel über die Vertreter von Wörmann verkaufen und so in die Selbstständigkeit starten.
Schon wenige Jahre nach der Gründung zog der Betrieb an seinen heutigen Standort Im Alten Krug 6 in Bielefeld-Brake. Dort entstand eine neue Werkstatt, die im Laufe der Jahrzehnte immer wieder erweitert und den Anforderungen des Betriebs angepasst wurde. Heute umfasst der Betrieb eine Produktionsfläche von 1.500 m². Bereits jetzt laufen die Planungen für einen weiteren Anbau mit 600 m² zusätzlicher Fläche.
Auch personell blieb das Unternehmen über die Generationen hinweg in Familienhand. Auf die Gründer folgten Manfred Vinke und Dieter Heidbreder. Manfred Vinke arbeitet seit 1958 im Unternehmen und legte 1966 seine Meisterprüfung ab – in diesem Jahr erhält er damit zugleich seinen Diamantenen Meisterbrief. Dieter Heidbreder kam 1971 in den Betrieb, wurde 1976 Gesellschafter und absolvierte 1978 seine Meisterprüfung.
Heute führen Guido Vinke und Ole Heidbreder das Unternehmen. Guido Vinke ist seit 1983 im Betrieb tätig, legte 1994 seine Meisterprüfung ab und gehört seit 2004 der Geschäftsführung an. Auch seine Ausbildung absolvierte er im väterlichen Betrieb. Ole Heidbreder stieg 2019 in die Geschäftsführung ein. Zuvor hatte er seine Ausbildung bei der Firma Feinschliff absolviert und anschließend das Studium zum staatlich geprüften Techniker in Melle abgeschlossen. Eine Besonderheit ist dabei, dass beide Gründerfamilien mittlerweile in der dritten Generation im Unternehmen vertreten sind.
Zwei Standbeine sorgen für Stabilität
Ein Prinzip zieht sich durch die 75-jährige Geschichte des Unternehmens: Vinke + Heidbreder arbeitet sowohl für private als auch für gewerbliche Auftraggeber. Bereits in den Anfangsjahren gehörte die Serienfertigung zum Geschäft. Heute entstehen für Privatkunden unter anderem individuelle Einbaumöbel, Ankleiden, Komplettausbauten sowie Küchen und Badmöbel. Im Objektbereich fertigt das Unternehmen Einrichtungen etwa für Pflegeheime, Kliniken, Studentenwohnheime und Mutter-Kind-Kliniken. Ebenso gehören Möbelserien und Möbelteile für den B2B-Bereich zum Angebot der Tischlerei.
Dabei ist Vinke + Heidbreder längst nicht nur in der Region unterwegs, sondern deutschlandweit im Einsatz: Baustellen führten das Unternehmen bereits von Sylt, Rügen und Grömitz im Norden bis nach München, an den Chiemsee und den Bodensee im Süden.
Die breite Aufstellung habe sich über Jahrzehnte bewährt, sagt Manfred Vinke. „Die Zweigleisigkeit war für uns immer ein Vorteil. Wir waren dadurch weniger abhängig von einzelnen Bereichen und konnten Veränderungen am Markt besser auffangen.“ Gleichzeitig sei diese Entwicklung nur mit der entsprechenden technischen Ausstattung und einem verlässlichen Team möglich gewesen. „Das war auch nur möglich durch moderne Maschinen und vor allem durch gute Mitarbeiter, die auch heute noch der Firma treu sind“, ergänzt Dieter Heidbreder.
Vom Zeichenbrett zur digitalen Planung
Während sich das Grundprinzip des Betriebs bewährt hat, hat sich die tägliche Arbeit deutlich verändert. Insbesondere die digitale Technik spielt heute eine wesentlich größere Rolle als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Das zeigt sich nicht zuletzt in der Kundenberatung. „Früher musste sich der Kunde vieles anhand einer Zeichnung vorstellen. Heute können wir Möbel am Computer sehr präzise planen und schon im Vorfeld deutlich besser zeigen, wie das fertige Ergebnis aussehen wird“, sagt Guido Vinke. Damit hat die Digitalisierung nicht nur die Fertigung, sondern auch die Beratung der Kunden verändert.
Gleichzeitig ist ein größerer Teil der Arbeit in die technische Vorbereitung gerückt. „Bevor in der Werkstatt das erste Teil gefertigt wird, steckt heute schon sehr viel Arbeit in Planung, Konstruktion und Arbeitsvorbereitung“, erklärt Ole Heidbreder.
Das Tischlerhandwerk ist technischer geworden. Geblieben sind der Anspruch an handwerkliche Qualität, präzise Fertigung und individuelle Lösungen für die Kunden.
Mehr als 80 Auszubildende
Eine besondere Rolle spielt bei Vinke + Heidbreder seit jeher die Ausbildung. Mehr als 80 junge Menschen haben in den vergangenen 75 Jahren ihre Ausbildung im Betrieb absolviert. Damit hat das Unternehmen nicht nur den eigenen Fachkräftenachwuchs aufgebaut, sondern über Jahrzehnte junge Menschen für das Tischlerhandwerk qualifiziert.
Heute beschäftigt Vinke + Heidbreder 14 Mitarbeitende. Das Team könnte durchaus noch größer sein: Der Betrieb sucht aktuell weitere Fachkräfte.
Eng verbunden ist die Unternehmensgeschichte auch mit der Tischler-Innung Bielefeld. Vinke + Heidbreder ist seit der Gründung Innungsmitglied. Ole Heidbreder engagiert sich darüber hinaus ehrenamtlich im Vorstand der Innung.
So wird eine Geschichte fortgeschrieben, die vor 75 Jahren mit zwei Schwägern, einer Scheune und zwei Gesellen begann. Aus dem kleinen Handwerksbetrieb ist über drei Generationen eine moderne Möbelwerkstatt geworden – mit einem breiten Kundenstamm, moderner Technik und festen Wurzeln im Bielefelder Tischlerhandwerk.
Quelle: Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld (kh-gt-bi.de.de)






















































































































































