31. Juli 2026 / Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Gebäudereiniger warnen vor höheren Belastungen bei Mini- und Midijobs

„Wer mehr Beschäftigung will, muss zusätzliche Arbeit lohnender machen, statt kleine Jobs zu verteuern.“ Mit...

Veröffentlicht am 31. Juli 2026 um 11:03 Uhr von Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

„Wer mehr Beschäftigung will, muss zusätzliche Arbeit lohnender machen, statt kleine Jobs zu verteuern.“ Mit diesen Worten warnt Dirk Wollenberg, Obermeister der Gebäudereiniger-Innung Ostwestfalen, vor den derzeit diskutierten Reformvorhaben. Aus zahlreichen Gesprächen mit Betrieben und Beschäftigten weiß er: Die geplanten Änderungen werden auf beiden Seiten mit großer Sorge betrachtet.

Der Landesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks für Nordrhein-Westfalen hat deshalb gemeinsam mit dem Bundesinnungsverband einen Appell an die Bundestagsabgeordneten aus NRW gerichtet. Die Verbände wenden sich gegen eine Abschaffung der Minijobs, aber auch gegen eine schrittweise Verdrängung dieser Beschäftigungsform durch höhere Abgaben und zusätzliche Kosten.

Das Geld wird für den Alltag gebraucht

Nach Wollenbergs Erfahrung entscheiden sich viele Beschäftigte ganz bewusst für einen Minijob. Ausschlaggebend seien häufig die persönliche Lebenssituation und die notwendige Vereinbarkeit der Arbeit mit einem Hauptberuf, der Betreuung von Kindern, der Pflege von Angehörigen oder anderen Verpflichtungen.

„Wir erleben, dass Menschen diese Beschäftigungsform gezielt nachfragen, weil sie zu ihrer aktuellen Lebenssituation passt. Eine Abschaffung des Minijobs führt deshalb nicht automatisch dazu, dass diese Menschen mehr Stunden in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis übernehmen“, betont Wollenberg.

Wollenberg unterscheidet dabei bewusst: Ein Teil der Beschäftigten wolle den kleinen Job gezielt behalten. Ein anderer Teil wäre durchaus bereit aufzustocken, wenn sich zusätzliche Stunden finanziell wirklich lohnten. Beiden Gruppen helfe eine reine Verteuerung nicht.

Auch finanziell sei der Hinzuverdienst für viele Beschäftigte unverzichtbar. Gerade weil die Lebenssituation nicht mehr Stunden zulasse, komme es auf jeden Euro dieses Zuverdienstes an: „Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagen mir sehr deutlich, dass sie dieses Geld für Einkäufe, Energiekosten oder notwendige Anschaffungen benötigen. Dieses Geld wird nicht angespart, sondern in der Regel direkt vor Ort für den täglichen Bedarf ausgegeben. Wer den Hinzuverdienst zusätzlich belastet, entzieht der regionalen Wirtschaft unmittelbar Kaufkraft.“

Mehrarbeit muss sich lohnen

Aus Sicht der Innung sollte eine Reform nicht darauf abzielen, einzelne Beschäftigungsformen isoliert zu verteuern. Entscheidend sei vielmehr, zusätzliche Arbeitsstunden für Beschäftigte finanziell attraktiver zu machen.

„Viele Menschen wären grundsätzlich bereit, mehr zu arbeiten. Sie müssen aber auch spüren, dass sich jede zusätzliche Stunde lohnt“, erklärt Wollenberg. „Wenn höhere Sozialabgaben, Steuern oder wegfallende Leistungen einen großen Teil des zusätzlichen Verdienstes aufzehren, entstehen die falschen Anreize.“

Statt Mini- und Midijobs zu verteuern, müssten die finanziellen Übergänge geglättet werden. Ein höherer Bruttoverdienst müsse auch zu einem spürbar höheren verfügbaren Einkommen führen.

„Wir brauchen einen fließenden Übergang vom Minijob in eine Beschäftigung mit mehr Stunden. Es darf keine finanziellen Sprünge geben, die Beschäftigte davon abhalten, ihren Arbeitsumfang zu erhöhen“, fordert der Obermeister.

Auch Midijobs nicht zusätzlich belasten

Nach Berechnungen des Bundesinnungsverbandes könnten sich die geplanten Änderungen nicht nur auf geringfügige Beschäftigungen auswirken. Weil die Arbeitgeberbeiträge im sogenannten Übergangsbereich an die Abgaben für Minijobs gekoppelt seien, drohten nach Angaben des Verbandes auch Midijobs mit einem Monatsverdienst zwischen 603,01 und 2.000 Euro für die Unternehmen teurer zu werden.

„Damit würde ausgerechnet der Bereich zusätzlich belastet, der den Übergang in eine umfangreichere sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ermöglichen soll“, kritisiert Wollenberg. „Es wäre widersinnig, ausgerechnet diesen Übergang für Arbeitnehmer wie Betriebe zu verteuern.“

Gerade in einer personalintensiven Branche wie der Gebäudereinigung wirkten sich steigende Lohnnebenkosten unmittelbar auf die Betriebe aus. Zusätzliche Belastungen könnten es erschweren, Beschäftigten größere Stundenumfänge anzubieten.

Legale Beschäftigung stärken

Die Innung warnt außerdem davor, dass eine Verteuerung regulärer Beschäftigung unbeabsichtigte Folgen haben könnte. Je weniger attraktiv angemeldete kleine Beschäftigungsverhältnisse für beide Seiten würden, desto größer sei das Risiko, dass Arbeiten in die Schwarzarbeit ausweichen.

„Unser gemeinsames Ziel muss sein, legale Beschäftigung zu stärken und zusätzliche Arbeit attraktiver zu machen“, sagt Wollenberg. „Dafür brauchen wir eine Lösung mit Augenmaß, die Menschen mit kleinen Einkommen nicht zusätzlich belastet und den Unternehmen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten keine weiteren Hürden auferlegt.“

Der Obermeister der Gebäudereiniger-Innung Ostwestfalen fordert deshalb eine Gesamtbetrachtung von Steuern, Sozialabgaben und wegfallenden Leistungen. „Es geht nicht darum, Menschen dauerhaft im Minijob zu halten“, stellt Wollenberg klar. „Es geht darum, ihnen passende Beschäftigungsmöglichkeiten zu erhalten und gleichzeitig den Weg zu mehr Arbeitsstunden finanziell attraktiver zu machen.“

Quelle: Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld (kh-gt-bi.de.de)

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