Kreis Gütersloh. Rund 43.900 Menschen im Kreis Gütersloh arbeiten in Teilzeit – davon sind 81 Prozent Frauen. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Ostwestfalen-Lippe unter Berufung auf Zahlen der Arbeitsagentur mit. Bei den Vollzeitstellen liege der Frauenanteil dagegen lediglich bei 27 Prozent.
Vor dem CDU-Parteitag am 20. und 21. Februar in Stuttgart übt die NGG deutliche Kritik an einem Vorstoß des Wirtschaftsflügels der Union zur Reform der Teilzeit. Dieser sieht vor, Menschen in Teilzeit, die zusätzlich staatliche Leistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, stärker in Richtung Vollzeit zu drängen.
„Teilzeit ist keine Bequemlichkeit“„Einen Teilzeitjob zu machen ist keine Lust-und-Laune-Entscheidung“, sagt Thorsten Kleile, Geschäftsführer der NGG Ostwestfalen-Lippe. Wer in Teilzeit arbeite, habe heute weniger Einkommen und später weniger Rente. Dennoch sei Teilzeit für viele Beschäftigte die einzige Möglichkeit, Beruf, Familie und Pflege von Angehörigen zu vereinbaren.
„Es bringt nichts, den Menschen die Daumenschrauben anzuziehen, um sie zum Vollzeitpensum im Job zu zwingen“, so Kleile. Solange es nicht ausreichend Kitaplätze gebe und die Pflegeinfrastruktur lückenhaft sei, werde es nicht gelingen, mehr Menschen in Vollzeit zu bringen.
Appell an CDU-Delegierte aus der RegionDie NGG fordert die CDU im Kreis Gütersloh sowie die Delegierten aus Ostwestfalen-Lippe auf, den Antrag zur Reform der Teilzeit auf dem Parteitag abzulehnen. „Hier fehlt jedes soziale Gespür“, kritisiert Kleile.
Zugleich warnt die Gewerkschaft Arbeitgeber davor, Beschäftigte – insbesondere Frauen – in Teilzeit zu drängen. Entscheidend sei, welches Arbeitspensum jemand leisten könne und wolle. „Es darf nicht darum gehen, dem Betrieb mit einem Teilzeit-Kompromiss entgegenzukommen, wenn man eigentlich Vollzeit arbeiten möchte“, so Kleile.
Fazit der NGG: Wer mehr Vollzeitjobs will, muss zuerst die strukturellen Voraussetzungen schaffen – mit besseren Betreuungsangeboten für Kinder und einer verlässlichen Pflegeinfrastruktur.
Fotocredits: Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)





