Bezahlbarer Wohnraum wird in Nordrhein-Westfalen immer knapper. Kreis Gütersloh/Bielefeld. Besonders junge und ältere Menschen geraten zunehmend unter Druck. Das zeigt der aktuelle Soziale Wohn-Monitor des Pestel-Instituts, den die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit in Auftrag gegeben hat.
Vor allem im Kreis Gütersloh spitzt sich die Lage zu. Rund 7.170 Auszubildende leben dort noch bei ihren Eltern – häufig nicht freiwillig. Der Grund: steigende Mieten und fehlende günstige Wohnungen. „Es ist tragisch, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist“, sagt Sabine Katzsche-Döring, Bezirksvorsitzende der IG BAU Ostwestfalen-Lippe. Immer häufiger scheitern Ausbildungen daran, dass Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe ihres Ausbildungsbetriebs bezahlen können. Das sei nicht nur ein soziales Problem, sondern gefährde auch die regionale Wirtschaft.
Mehr Azubi- und Studierendenwohnungen gefordert
Die IG BAU fordert deshalb gezielte Förderprogramme für den Neubau von Azubi- und Studierendenwohnungen, insbesondere im Umfeld von Ausbildungszentren und Hochschulen. Auch steuerliche Anreize für Betriebe, die Wohnraum für ihre Auszubildenden schaffen, seien sinnvoll.
Wohnarmut im Alter droht
Neben jungen Menschen geraten auch ältere Generationen zunehmend unter Druck. Im Kreis Gütersloh werden bis 2035 rund 47.000 Baby-Boomer in Rente gehen. Viele von ihnen müssen mit niedrigen Renten auskommen. „Wenn die Mieten weiter steigen, werden sich viele ihre bisherige Wohnung im Alter nicht mehr leisten können – sie wohnen sich regelrecht arm“, warnt Katzsche-Döring.
17.900 neue Sozialwohnungen pro Jahr nötig
Um den Wohnungsmangel zu bekämpfen, fordert die IG BAU einen massiven Ausbau des sozialen Wohnungsbaus. Laut Studie müssten in Nordrhein-Westfalen jährlich rund 17.900 neue Sozialwohnungen entstehen. Bis 2035 wären damit landesweit 454.900 Sozialwohnungen nötig – fast doppelt so viele wie derzeit vorhanden.
Fördergelder, niedrigere Baukosten und mehr Transparenz
Damit dieses Ziel erreicht werden kann, seien verlässliche Fördergelder von Bund und Land notwendig. Diese müssten bereits zum Baubeginn vollständig zur Verfügung stehen. Zudem könnten niedrigere Baukosten durch vereinfachte Baustandards wie das sogenannte „Erleichterte Bauen“ helfen, schneller und günstiger Wohnraum zu schaffen – bei weiterhin guter Qualität.
Ein weiterer Punkt sei Transparenz: Das Land Nordrhein-Westfalen solle eine öffentliche Statistik führen, die monatlich ausweist, wo und wie viele Sozialwohnungen neu gebaut werden. Ohne einen konsequenten Ausbau des sozialen Wohnungsbaus drohen weiter steigende Mieten – mit gravierenden Folgen für junge Menschen, Rentner und den Arbeitsmarkt.
©Foto: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt





