10. September 2021 / Aus aller Welt

Raser erfasst Gehörlose: Angeklagter entschuldigt sich

Die Ampel ist grün, als eine gehörlose Frau in Würzburg die Straße überqueren will. Dann wird sie von einem PS-starken Auto erfasst und verletzt. Die Staatsanwaltschaft macht dem Fahrer schwere Vorwürfe.

Der angeklagte Raser zu Prozessbeginn im Würzburger Landgericht.
Veröffentlicht am 10. September 2021 um 15:38 Uhr von dpa

Bei einem illegalen Autorennen soll er mit seinem Wagen eine gehörlose Frau erfasst haben, vor Gericht hat sich ein 22-Jähriger nun bei ihr entschuldigt.

«Ich bedaure das sehr, es tut mir leid», sagte der Mann vor dem Landgericht Würzburg. Dort wird ihm seit Freitag der Prozess gemacht. Der Vorwurf lautet unter anderem auf versuchten Mord.

Abgesehen von der Entschuldigung äußerte sich der Mann am Freitag nicht zur Tat. Im Alter von 20 Jahren soll er sich am 1. Dezember 2019 in Würzburg mit einem PS-starken Mietwagen ein Autorennen mit einem Kontrahenten geliefert haben. Sein Auto erfasste die gehörlose Fußgängerin, die mit ihrem Hund bei Grün an einer Ampel die Straße überquerte. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nahm der Mann dabei den Tod der Frau billigend in Kauf.

Die angefahrene Frau und das Tier wurden leicht verletzt. Am Freitag ließ die 44-Jährige, die nicht hören und sprechen kann, über eine Gebärdendolmetscherin mitteilen, dass sie die Entschuldigung annehme. Sie wolle nicht, dass der Mann eine hohe Strafe bekomme, es sei sicher keine Absicht gewesen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Fahrer neben versuchtem Mord auch gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs vor. Er war wenige Tage nach der Tat in Untersuchungshaft gekommen, das Oberlandesgericht Bamberg hob den Haftbefehl aber Mitte Mai 2020 wieder auf. Seitdem ist der Angeklagte auf freiem Fuß.

Außerdem soll ein zweiter Raser beteiligt gewesen sein. Dieser konnte aber bisher noch nicht ausfindig gemacht werden.

Ein Polizist sagte am Freitag, man habe die Aufnahmen einer Überwachungskamera an einer Tankstelle in der Nähe des Unfallorts ausgewertet. Darauf sei das Heck eines silbernen Wagens zu erkennen - auf einem einzelnen Bild. Normal fahrende Autos seien auf sechs bis acht Bildern zu sehen. Daraus schließe man, dass der Wagen schnell gefahren sei.

Bundesweit hat sich die Justiz bereits mehrfach mit der Frage auseinandergesetzt, ob Raser in ihren oft aufgemotzten und hochmotorisierten Autos als potenzielle Mörder unterwegs sein können und den Tod anderer billigend in Kauf nehmen. Wegweisend war eine Entscheidung des Berliner Landgerichts vom Februar 2017, als zwei Fahrer als Mörder verurteilt wurden. Es war das erste Mordurteil gegen solche Autoraser in Deutschland. Nach einer Revision entschied ein Gericht bei einem der Männer nicht mehr auf Mord, sondern auf versuchten Mord. Dieses Urteil ist nach Angaben des Landgerichts noch nicht rechtskräftig und derzeit beim Bundesgerichtshof anhängig.

Der Prozess in Würzburg sollte eigentlich schon im Januar beginnen, war aber coronabedingt verschoben worden. Am kommenden Freitag wird er fortgesetzt. Bis Ende September sind noch drei weitere Termine geplant.


Bildnachweis: © Frank Rumpenhorst/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Segelflugzeug stürzt auf A45 – ein Toter bei Olpe
Aus aller Welt

Beim Absturz eines Segelflugzeugs auf eine Autobahn im Sauerland kommt der Pilot ums Leben. Die Polizei ermittelt, zur Ursache gibt es noch keine Angaben.

weiterlesen...
Studie: Leben und Arbeiten im Kreis Gütersloh
Kreis Gütersloh

Gütersloh. Wie leben Menschen aus Rumänien, Polen, Bulgarien oder Nordmazedonien im Kreis Gütersloh? Welche...

weiterlesen...
Mobile Hühnerstallsysteme aus Rietberg gewinnen in Landwirtschaft und Direktvermarktung an Bedeutung
Partner News

Wie ein Hersteller aus Ostwestfalen den Markt für Mobilställe verändert

weiterlesen...

Neueste Artikel

Festgenommene nach Fund von totem Baby wieder frei
Aus aller Welt

Eine Obduktion hat keine Hinweise auf Gewalt ergeben: Ein rund vier Monate alter Junge ist tot in einem Hausflur in Müllrose gefunden worden. Woran er starb, ist weiter unklar.

weiterlesen...
Gewalttat gegen Herdecker Bürgermeisterin: Tochter angeklagt
Aus aller Welt

Sie schwebte in Lebensgefahr, dennoch trat Iris Stalzer wenige Wochen später ihr Amt als Bürgermeisterin von Herdecke an. Gegen ihre 17-jährige Tochter ist nun Anklage erhoben worden.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Festgenommene nach Fund von totem Baby wieder frei
Aus aller Welt

Eine Obduktion hat keine Hinweise auf Gewalt ergeben: Ein rund vier Monate alter Junge ist tot in einem Hausflur in Müllrose gefunden worden. Woran er starb, ist weiter unklar.

weiterlesen...
Gewalttat gegen Herdecker Bürgermeisterin: Tochter angeklagt
Aus aller Welt

Sie schwebte in Lebensgefahr, dennoch trat Iris Stalzer wenige Wochen später ihr Amt als Bürgermeisterin von Herdecke an. Gegen ihre 17-jährige Tochter ist nun Anklage erhoben worden.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner