24. Oktober 2021 / Aus aller Welt

Meistgesuchter Drogenboss Kolumbiens im Dschungel gefasst

Kolumbiens Präsident Duque vergleicht die Festnahme von Dairo Úsuga alias «Otoniel» mit dem Fall des legendären Drogenbarons und Terroristen Pablo Escobar. Nun droht ihm die Auslieferung an die USA.

Dairo Antonio Úsuga alias «Otoniel» (M) wurde am Samstag in der Region Uraba festgesetzt.
Veröffentlicht am 24. Oktober 2021 um 19:09 Uhr von Martina Farmbauer, dpa

Sicherheitskräfte haben in Kolumbien einen der mächtigsten Drogenhändler des südamerikanischen Landes gefasst. «Es ist der entscheidendste Schlag, der dem Drogenhandel in diesem Jahrhundert versetzt wurde», sagte der kolumbianische Präsident Iván Duque in einer Pressekonferenz.

«Er ist nur mit dem Fall von Pablo Escobar in den 90er Jahren vergleichbar.» Escobar starb 1993 bei einem Polizeieinsatz über den Dächern von Medellín.

Am Samstag wurde nun Dairo Antonio Úsuga alias «Otoniel», der Chef des Drogenkartells «Clan del Golfo» (Golf-Clan), in seinem Dschungel-Versteck in der Region Uraba festgesetzt, in Handschellen der Öffentlichkeit vorgeführt und per Hubschrauber in die Hauptstadt Bogotá gebracht. Verteidigungsminister Diego Molano deutete in einem Interview der Zeitung «El Tiempo» am Sonntag an, dass das Schicksal Úsugas in der Auslieferung an die USA bestehen könne.

«"Otoniel" war der am meisten gefürchtete Drogenboss der Welt, ein Mörder von Polizisten, Soldaten und örtlichen Aktivisten und warb Kinder an», hatte Duque weiter gesagt. Er rief die verbliebenen Mitglieder des Kartells auf, sich zu stellen.

Verfolgung über fast zehn Jahre

Fast zehn Jahre dauerte die Verfolgung Úsugas. An der Operation «Osiris», die letztlich zur Festnahme führte, waren mehr als 500 Angehörige von Militär, Polizei und Staatsanwaltschaft sowie zumindest mit Informationen die USA und Großbritannien beteiligt.

Als er festgenommen wurde, war der Mann, der rund 1200 Kämpfern vorgestanden haben soll, allein. «Er hat sich von seinem letzten Sicherheitsring getrennt, machte die Fehler, die wir wollten», sagte der Kommandeur der Streitkräfte, General Luis Fernando Navarro.

Während Pablo Escobar gerne seinen Reichtum zur Schau stellte, gehörte Dairo Úsuga zu einer Generation von Drogenbossen, die es vorzieht, möglichst unter dem Radar zu bleiben. Offensichtlich hatte Úsuga, der kein Handy benutzte und ständig den Ort wechselte, jedoch bereits zuvor einen Fehler begangen. Der Drogenboss leidet laut «El Tiempo» unter Nierenproblemen und benötigt Medikamente. Dieser Hinweis soll einer der Schlüssel gewesen sein, um ihn aufzuspüren.

Drei Milliarden Pesos für Infos

Für Informationen, die zu seiner Ergreifung führen, waren in Kolumbien bis zu drei Milliarden Pesos (etwa 700.000 Euro) ausgesetzt gewesen. Die US-Regierung hatte sogar 5 Millionen Dollar geboten. Dem 50-Jährigen, der mit 16 in eine linke Guerillagruppe eintrat, werden neben Drogenhandel auch Mord, Erpressung, Entführung, Verschwörung und die Rekrutierung Minderjähriger vorgeworfen. Gegen ihn liegen laut dem kolumbianischen Präsidenten Duque Auslieferungsanträge vor.

Dairo Úsugas «Clan del Golfo», hervorgegangen aus rechten Paramilitärs, gilt als eine der mächtigsten Drogenorganisationen, die vor allem Kokain tonnenweise nach Mittel- und Nordamerika schmuggelt. Zudem ist er in illegalen Bergbau und Schutzgelderpressung verwickelt.

Kolumbien litt mehr als 50 Jahre unter einem Bürgerkrieg zwischen Streitkräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs. Die Sicherheitslage hat sich seit dem Friedensvertrag zwischen der größten Rebellen-Organisation Farc mit der Regierung 2016 verbessert. Doch ehemalige Farc-Kämpfer und Verbrechersyndikate wie der Golf-Clan kämpfen immer noch gegen die Regierung und um Anteile am Drogenhandel. Präsident Duque, dem vorgeworfen wird, dass er das Friedensabkommen nur halbherzig umsetze, gibt die Festnahme Úsugas Auftrieb. Die Festnahme bedeute das Ende des Golf-Clans, sagte Duque. Experten bezweifeln dies: Es stünden schon die Nachfolger bereit.


Bildnachweis: © Uncredited/Colombian presidential press office/AP/dpa
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