29. April 2022 / Aus aller Welt

Waldpflanzen blühen eine Woche früher als vor 100 Jahren

Im Durchschnitt blühen Pflanzen wie Bärlauch und Sauerklee mehr als sechs Tage früher als zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Das hat sehr viel mit den wärmeren Frühlingstemperaturen zu tun.

Bärlauch blüht nun früher.
Veröffentlicht am 29. April 2022 um 03:51 Uhr von dpa

Frühblühende Waldpflanzen wie Bärlauch und Waldmeister beginnen ihre Blühsaison jetzt im Durchschnitt rund eine Woche früher als noch vor 100 Jahren.

Analysen von Tausenden Herbarien zeigten auch auf, dass die frühere Blütezeit der Wildpflanzen mit der Klimaerwärmung zusammenhänge, schreibt ein Forschungsteam der Universitäten Tübingen und Frankfurt/Main in der Fachzeitschrift «New Phytologist».

Franziska Willems und Oliver Bossdorf vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen sowie J. F. Niek Scheepens von der Universität Frankfurt nutzten die Daten für eine neue Methode der geografisch-räumlichen Modellierung. Das Team erstellte Modelle der Blütezeiten, in denen die geografische Information mitberücksichtigt wurde, und verglich diese mit Modellen ohne räumliche Daten.

Das Ergebnis war laut Willems eindeutig: «Der Jahresrhythmus der Frühblüher und das Ausmaß von Verschiebungen als Antwort auf Klimaveränderungen variiert nicht nur zwischen verschiedenen Pflanzenarten, sondern auch über verschiedene Regionen hinweg.» Bisher seien solche Studien häufig nur geografisch begrenzt erfolgt.

Insgesamt gesehen korrelierten die Veränderungen mit den wärmeren Frühlingstemperaturen. Im Durchschnitt verschob sich die Blütezeit laut Studie pro Grad Celsius Erwärmung um 3,6 Tage nach vorn.

Für die Studie untersuchten die Forscher mehr als 6000 Herbar-Belege von 20 Frühblüher-Arten aus ganz Europa. Sie wollten daraus Verschiebungen der Phänologie, also der jahreszeitlichen Entwicklungsrhythmen, ableiten. Jährlich wiederkehrende biologische Vorgänge wie der Blühbeginn von Pflanzen oder der Start des Vogelzugs werden unter dem Fachbegriff Phänologie untersucht.


Bildnachweis: © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa
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